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Lotse am Telefon: Tödliche Kollision im Houston Ship Channel auf Ablenkung auf der Brücke zurückgeführt

Vrachtschepen op een scheepvaartkanaal onder een bewolkte hemel
SymbolbildPhoto by Efe Kekikciler via Unsplash

Am 19. Juli 2024 kenterte und sank der Schlepper Miss Peggy, nachdem der Massengutfrachter Yangze 7 dessen Heck gerammt hatte, im Houston Ship Channel, Texas, USA. Ein Decksmann kam dabei ums Leben, zwei weitere Besatzungsmitglieder wurden verletzt. Die US-amerikanische Unfalluntersuchungsbehörde NTSB kommt in einem am 6. August 2026 veröffentlichten Bericht zu dem Schluss, dass der Lotse an Bord der Yangze 7 unmittelbar vor der Kollision 39 Minuten lang privat telefonierte.

Was geschah

Die Kollision ereignete sich um 14:03:35 Uhr Ortszeit in der Nähe von Lynchburg, Texas, USA. Der Wulstbug der etwa 200 Meter langen, unter liberianischer Flagge fahrenden Yangze 7 traf das Heck der Miss Peggy, eines 15,3 Meter langen US-amerikanischen Schleppers mit fünf Besatzungsmitgliedern an Bord. Der Schlepper kenterte und sank nahezu augenblicklich. Vier Besatzungsmitglieder wurden vom zufällig anwesenden Fahrzeug George M gerettet; der Decksmann wurde später tot im Wrack aufgefunden.

Dem Bericht zufolge nahm der Houston-Lotse an Bord der Yangze 7 – im März 2023 zugelassen und zu diesem Zeitpunkt mit 443 vorangegangenen Transitfahrten – um 13:22:39 Uhr einen privaten Anruf eines Lotsenkollegen entgegen, der sich zu diesem Zeitpunkt an Bord des Tankers Petrel befand. Das Gespräch, das sich um Golf, die Anschaffung eines Heimgenerators und Reisepläne nach Frankreich drehte, dauerte 39 Minuten und 5 Sekunden und endete um 14:01:44 Uhr – nur 1 Minute und 51 Sekunden vor der Kollision.

Der Zweite Offizier der Yangze 7 erklärte, er habe sich „sehr geängstigt“ gefühlt, weil der Lotse weiterredete, während er Rudermanöver anordnete. Er habe erkannt, dass das Gespräch nichts mit der Navigation zu tun hatte, habe sich aber nicht getraut, dies beim Kapitän anzusprechen. Die Brückenbesatzung bemerkte die Miss Peggy erst, als diese weniger als eine Schiffslänge vor dem Bug lag. Auch der Kapitän der Miss Peggy, mit 17 Jahren Erfahrung in der Schlepperfahrt, hielt nach Einschätzung der NTSB keinen ausreichenden Ausguck.

Ursache: Ablenkung auf der Brücke

Die NTSB stellt die wahrscheinliche Ursache wie folgt fest: „the probable cause of the collision between the bulk carrier Yangze 7 and towing vessel Miss Peggy was the loss of situation awareness of the Houston pilot, the Yangze 7 bridge team, and the captain of the Miss Peggy due to a failure to maintain a proper lookout.“

Zum Zeitpunkt des Unfalls verfügte die Organisation der Houston-Lotsen über keine Richtlinie, die die nicht-betriebliche Nutzung persönlicher elektronischer Geräte während aktiver Fahrmanöver untersagte. Die NTSB weist zudem darauf hin, dass Ablenkung durch persönliche Geräte zwischen 2009 und 2024 zu mindestens zehn weiteren Schifffahrtsunfällen beigetragen hat, mit insgesamt drei Todesopfern und 45 Verletzten.

Der Gesamtschaden des Unfalls wird auf rund 3,7 Millionen US-Dollar geschätzt – umgerechnet indikativ etwa 3,4 Millionen Euro zum aktuellen Wechselkurs. Die Miss Peggy wurde als Totalverlust eingestuft, mit einem geschätzten Wert von 1,4 Millionen US-Dollar (indikativ rund 1,3 Millionen Euro).

Empfehlungen der NTSB

Die NTSB spricht zwei Empfehlungen aus. Der US-amerikanischen Küstenwache (U.S. Coast Guard), der föderalen Aufsichtsbehörde für die Schifffahrt, wird empfohlen, die nicht-betriebliche Nutzung persönlicher elektronischer Geräte für Personen zu untersagen, die die Bewegung eines Fahrzeugs steuern, wie etwa Lotsen und Rudergänger. Der American Pilots‘ Association, dem US-amerikanischen Branchenverband der Lotsen, wird empfohlen, vergleichbare Richtlinien zu entwickeln und einzuführen und die angeschlossenen Lotsenverbände zu deren Übernahme zu ermutigen.

Quelle: NTSB Marine Accident Report MIR-26-24, 6. August 2026, https://www.ntsb.gov/investigations/AccidentReports/Reports/MIR2624.pdf

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