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Explosion an Bord des Schlammtankers Hunts Point: unbefugte Heißarbeiten mit tödlichem Ausgang

Vrachtschip op zee
Symbolbild

Bei einer Explosion an Bord des Schlammtankers Hunts Point auf dem Hudson River bei Manhattan, New York, Vereinigte Staaten, kam am 24. Mai 2025 der Erste Maschinist des Schiffes ums Leben. Die US-amerikanische Verkehrssicherheitsbehörde National Transportation Safety Board (NTSB) kommt zu dem Schluss, dass nicht genehmigte Heißarbeiten oberhalb einer Ladung aus brennbarem Klärschlamm die Ursache waren. Fünf weitere Besatzungsmitglieder wurden leicht verletzt oder blieben unverletzt.

Hergang

Die Hunts Point, ein 288,7 Fuß langer Schlammtanker des New York City Department of Environmental Protection (NYC DEP), lief am 24. Mai 2025 um 08:18 Uhr mit rund 40.000 Kubikfuß Klärschlamm-Rückständen an Bord aus. Um die Ladung pumpfähig zu halten, musste über angepasste Lukendeckel an den Ladetanks Wasser zugeführt werden.

Die dafür vorgesehenen Rohrstopfen erwiesen sich als verrostet und festsitzend. Stattdessen entfernte der Erste Maschinist Flansche. Als dabei Schraubenbolzen abbrachen, griff er zu einem Propan-Heizbrenner, um sie zu lösen — Arbeiten mit offener Flamme oberhalb einer Reinigungsluke des Ladetanks Nr. 2 an Backbord. Es lag keine Erlaubnis für Heißarbeiten (Hot Work Permit) vor, und der Kapitän hatte vor Antritt der Fahrt ausdrücklich davor gewarnt, an den Tanks einen Brenner einzusetzen.

Kurz nach Beginn dieser Arbeiten wurde über gebohrten Löchern im Lukendeckel eine gelbe Flamme sichtbar. Gegen 10:20 Uhr kam es zu einer Explosion im Tank: Methangas, das durch die Zersetzung des Schlamms entstanden war, hatte sich entzündet und eine Druckwelle im Ladetank verursacht. Der Erste Maschinist wurde durch die Wucht der Explosion zwischen Kai und Schiff geschleudert und von der Feuerwehr von New York City noch vor Ort für tot erklärt. Der Kapitän, der Zweite Maschinist und ein Leichtmatrose erlitten leichte Verletzungen; der Steuermann und der zweite Leichtmatrose blieben unverletzt.

Erkenntnisse

Als wahrscheinliche Ursache der Explosion stellt die NTSB fest, dass nicht genehmigte Heißarbeiten oberhalb eines Tanks mit einer Ladung durchgeführt wurden, die brennbares Methangas erzeugte, was zur Entzündung des Gases und dem anschließenden Überdruckaufbau im Ladetank führte.

Als beitragende Faktoren nennt der Bericht:

  • das Fehlen einer genehmigten Erlaubnis für Heißarbeiten (Hot Work Permit);
  • unzureichende Schulung des Ersten Maschinisten hinsichtlich der Gefahren von Heißarbeiten und der Risiken von Schlammgas;
  • die Missachtung der ausdrücklichen Warnung des Kapitäns;
  • verrostete und festsitzende Rohrstopfen, die eine abweichende und risikoreichere Vorgehensweise erzwangen;
  • das Fehlen einer Gasmessung oder einer Freimessung des Tanks vor Beginn der Heißarbeiten;
  • die geöffnete Reinigungsluke während des Einsatzes offener Flammen.

Empfehlungen / Lehren

Der Bericht enthält kein eigenes Kapitel mit formellen, adressierten Empfehlungen. Aus der festgestellten Ursache und den beitragenden Faktoren sowie aus den Maßnahmen, die der Betreiber NYC DEP bereits selbst ergriffen hat, lassen sich dennoch klare Lehren für die Branche ziehen:

  • **Genehmigungsverfahren für Heißarbeiten sind keine Formalität.** Arbeiten mit offener Flamme in der Nähe von Tanks mit brennbarer oder sich zersetzender Ladung dürfen nur nach einem formellen, genehmigten Freigabeverfahren erfolgen — einschließlich Gasmessung und, falls erforderlich, einer Freimessung.
  • **Mündliche Warnungen von Vorgesetzten müssen in Richtlinien und Aufsicht verankert werden**, nicht nur als situative Anweisung im Moment selbst ausgesprochen werden.
  • **Aufgeschobene Instandhaltung an Grundausstattung** — etwa festsitzende Rohrstopfen — kann Besatzungsmitglieder dazu verleiten, von Standardverfahren abzuweichen und riskantere Improvisationen zu wählen. Vorbeugende Instandhaltung ist somit auch eine Sicherheitsmaßnahme.
  • **Schulungen zu Schlammgas und den Gefahren von Heißarbeiten** müssen fester Bestandteil der Ausbildung von technischem Personal auf Schiffen sein, die organische Abfälle oder Klärschlamm transportieren, angesichts des Risikos der Methanbildung durch Zersetzung der Ladung.

NYC DEP hat infolge des Unfalls am 23. Juni 2025 ein Rundschreiben erlassen, das die strikte Einhaltung der Verfahren für Heißarbeiten anordnet, und angekündigt, die Lukendeckel der gesamten Flotte zu ersetzen.

Quellen

  • National Transportation Safety Board, Marine Accident Report MIR-26-22, *“Explosion Aboard Sludge Vessel Hunts Point“*, veröffentlicht am 15. Juli 2026: [data.ntsb.gov](https://data.ntsb.gov/Docket/Document/docBLOB?ID=20730583&FileExtension=pdf&FileName=MIR2622-Rel.pdf)
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