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Schuldkultur bei Arbeitsunfällen behindert wirksame Sicherheit, so eine US-Analyse

Bouwvakkers met helm en veiligheidsvest op een bouwplaats
SymbolbildFoto: Wasif Ali via Unsplash

In der US-amerikanischen Baubranche herrscht nach wie vor häufig die Ansicht vor, dass die meisten Arbeitsunfälle auf unsicheres Verhalten der Beschäftigten selbst zurückzuführen seien. Das zeigt eine Analyse des Sicherheitsexperten Peter G. Furst auf der Fachplattform ISHN. Häufig zitierten Zahlen zufolge seien rund 90 Prozent der Unfälle auf unsicheres Verhalten und menschliches Versagen zurückzuführen. Furst warnt, dass diese unter Vorgesetzten und Führungskräften weit verbreitete Annahme eine wirksame Unfallprävention tatsächlich behindern kann.

Produktionsdruck versus Sicherheit

Der Analyse zufolge sehen viele Baustellenaufsichten die Erreichung von Produktionszielen als ihre Hauptaufgabe an, während von den Beschäftigten erwartet wird, durch gesunden Menschenverstand und Wachsamkeit selbst für ihre eigene Sicherheit verantwortlich zu sein. Diese Kombination von Überzeugungen führt laut Furst dazu, dass Sicherheitsmaßnahmen oft als Hindernis für die Produktion wahrgenommen werden. Beschäftigte wägen dabei selbst ab, welches Risiko sie für vertretbar halten — etwa weil sie glauben, dass „es schon nicht passieren wird“, oder weil sie befürchten, ihren Arbeitsplatz oder Aufstiegschancen zu verlieren, wenn sie nicht schnell genug arbeiten.

Überzeugungen steuern das Verhalten

Der Kern des Arguments ist, dass sicherheitsbezogenes Verhalten stark von zugrunde liegenden Überzeugungen geprägt wird — etwa fatalistischen Einstellungen („das gehört nun einmal zur Branche“) oder einer Überschätzung der eigenen Erfahrung („mir passiert das nicht“). Traditionelle Maßnahmen wie Schulungen und Inspektionen gehen diesen Überzeugungen laut Furst nicht ausreichend nach, weshalb die Wirksamkeit von Sicherheitsprogrammen auf Dauer nachlässt. Er weist zudem darauf hin, dass nicht jeder Unfall auf Überzeugungen zurückzuführen ist: Manche entstehen schlicht durch Unaufmerksamkeit oder einen kurzen Moment der Unachtsamkeit und erfordern daher einen anderen Ansatz.

Für EHS-Fachleute ist dies relevant, weil es die weitverbreitete Annahme kritisch hinterfragt, dass die meisten Unfälle „verhaltensbedingt“ seien — eine Annahme, die in der Praxis noch oft als Ausgangspunkt für die Sicherheitspolitik dient. Furst plädiert dafür, dass Unternehmen Sicherheit und Produktion nicht als gegensätzliche Interessen behandeln, sondern sicheres Arbeiten als einzig akzeptable Arbeitsweise in Politik und Unternehmenskultur verankern, mit einer steuernden Rolle für die Geschäftsleitung.

Quelle: The Safety Blame Game is Dangerous, ISHN, 10. September 2026, https://www.ishn.com/articles/115589-the-safety-blame-game-is-dangerous

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