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Unternehmen setzen auf „Female Lifecycle Management“ am Arbeitsplatz

Vrouw werkt op kantoor
Symbolbild

Arbeitsplätze wurden traditionell größtenteils nach einer männlichen Norm gestaltet, wobei biologische Lebensphasen von Frauen – von der Fruchtbarkeit bis zu den Wechseljahren – in der Personalpolitik kaum Beachtung fanden. Laut der deutschen Fachpublikation Haufe Arbeitsschutz zeichnet sich hier ein Wandel ab: Immer mehr Unternehmen, vor allem in Deutschland und international, integrieren systematisch die Berücksichtigung dieser Lebensphasen in ihre Personalpolitik. Julia Neuen, Gründerin des Unternehmens Peaches, bezeichnet diesen Trend mit dem Begriff „Female Lifecycle Management“.

Konkrete Beispiele veranschaulichen die Entwicklung. Der Technologiekonzern Meta und der Pharmakonzern Merck finanzieren ihren Mitarbeiterinnen das Einfrieren von Eizellen (Social Freezing) sowie weitere Fruchtbarkeitsbehandlungen. Der Versicherer AXA richtet interne Unterstützungsnetzwerke rund um die Wechseljahre ein, darunter einen Teams-Kanal mit dem Namen „Woman on Fire“. Betriebsärztin Petra Rodenbücher von AXA betont dabei vor allem den Abbau von Tabus rund um Wechseljahresbeschwerden am Arbeitsplatz. Auch praktische Anpassungen werden umgesetzt, etwa eine flexiblere Temperaturregelung im Büro und gelockerte Kleidungsvorschriften. Sandra Handlbauer-Zrust von Aspirant Health veranstaltet Workshops, die die Wechseljahre mit Fragen der Führungskultur verknüpfen.

Die Zahlen unterstreichen das Ausmaß der Bewegung: 75 Prozent der befragten Unternehmen wollen die Frauen- und Familienfreundlichkeit der Organisation verbessern. Zugleich zeigt sich eine hohe Dringlichkeit, denn ein Viertel der betroffenen Frauen erwägt, wegen Wechseljahresbeschwerden vorzeitig in Rente zu gehen. Allerdings ist nicht jeder uneingeschränkt positiv gestimmt: Anne-Kathrin Gellner von der Beratungsgesellschaft Mercer warnt davor, dass solche Maßnahmen zu reinem Windowdressing verkommen können, wenn sie nicht mit strukturellen Veränderungen in Kultur und Unternehmenspolitik einhergehen.

Für EHS-Fachleute ist diese Entwicklung relevant, weil Gesundheit am Arbeitsplatz seit jeher ein Kernthema des Fachgebiets ist, die Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Unterschiede bei Exposition, Beschwerden und Arbeitserleben dabei jedoch lange Zeit unterbelichtet blieb. Fruchtbarkeitsunterstützung und Wechseljahrespolitik berühren unmittelbar Themen wie Fehlzeitenprävention, Mitarbeiterbindung und die Gestaltung eines Arbeitsumfelds, das den physischen Bedürfnissen aller Beschäftigten gerecht wird – man denke an Klimatisierung und Kleidungsvorschriften, die traditionell in den Bereich des Arbeitsschutzes fallen. Zugleich erfordert das Thema Sorgfalt: Maßnahmen, die nur auf dem Papier existieren, ohne Einbettung in eine umfassendere Kultur der Gleichbehandlung und psychosozialen Sicherheit, laufen Gefahr, ihr Ziel zu verfehlen. Für HSE-Abteilungen bietet sich hier die Chance, mit ihrer Expertise in Gefährdungsbeurteilung und Gesundheitsmanagement einen ernsthaften Beitrag zur Gestaltung dieser Politik zu leisten, statt sie allein den Personalabteilungen zu überlassen.

Quelle: Frauengesundheit, 7. September 2026, https://www.haufe.de/arbeitsschutz/gesundheit-umwelt/frauengesundheit_94_697270.html

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