Fast ein Viertel der deutschen Auszubildenden berichtet von häufiger bis ständiger psychischer Belastung während der Ausbildung, wie eine gemeinsame Studie der Bertelsmann Stiftung und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, über die das Fachmagazin Haufe Arbeitsschutz berichtet. Rund 15 Prozent der befragten Auszubildenden — etwa jeder Siebte — gibt an, ein stark beeinträchtigtes Wohlbefinden zu erleben.
Starker Zusammenhang mit vorzeitigem Abbruch
Die Studie zeigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen Wohlbefinden und der Wahrscheinlichkeit eines vorzeitigen Abbruchs: Von den Auszubildenden mit stark beeinträchtigtem Wohlbefinden erwägt fast 74 Prozent ernsthaft, die Ausbildung abzubrechen, gegenüber nur 12 Prozent bei stabilem Wohlbefinden. Unter denjenigen, die die Ausbildung tatsächlich abgebrochen oder dies ernsthaft in Erwägung gezogen haben, wird psychische Belastung am häufigsten als Hauptgrund genannt. Trotz dieser Zahlen sind rund 90 Prozent aller befragten Auszubildenden insgesamt mit ihrer Ausbildung zufrieden.
Kosten für Unternehmen und begrenzte Unterstützung
Laut Studie berichten 62 Prozent der befragten Unternehmen von einer geringeren Produktivität der Auszubildenden infolge psychischer Probleme. Jeder Abbruch koste ein Unternehmen schätzungsweise 20.000 Euro an verlorenen Investitionen und Ressourcen. Zwar bieten viele Unternehmen Unterstützung an — etwa Stresstrainings und Informationen zur mentalen Gesundheit —, doch ist dieses Angebot bei kleinen und mittleren Unternehmen deutlich geringer als bei Großunternehmen mit 250 oder mehr Beschäftigten. Zudem kennt nur etwas mehr als ein Drittel der Auszubildenden die verfügbaren Unterstützungsangebote, und 35 Prozent vermeiden es, über psychische Belastungen zu sprechen, aus Angst vor beruflichen Nachteilen.
Für EHS-Fachleute ist dies relevant, weil es zeigt, dass psychosoziale Belastung nicht nur erfahrene Beschäftigte betrifft, sondern auch junge, gerade erst ins Berufsleben eintretende Mitarbeitende — eine Gruppe, die oft noch keine starke Position hat, um Probleme anzusprechen. Forschende plädieren für mehr Offenheit über mentale Gesundheit am Arbeitsplatz, den Ausbau von Präventionsprogrammen und eine bessere Schulung von Ausbildern, wobei rund die Hälfte der befragten Unternehmen selbst hierfür Bedarf sieht.
Quelle: Ausbildungsabbruch oft durch psychische Belastungen bedingt, Haufe Arbeitsschutz, 11. September 2026, https://www.haufe.de/arbeitsschutz/gesundheit-umwelt/ausbildung-mentale-probleme-fuehren-am-haeufigsten-zu-abbruch_94_697682.html
