Montag, 2. November 2026Zuverlässige Nachrichten zu Sicherheit, Gesundheit und Umwelt
NachrichtenEnergie & Versorgung

Lithium-Ionen-Batterien erhöhen Brandrisiko in Rechenzentren

Reihe industrieller Batterie- und Schaltschränke in einem Technikraum
SymbolbildFoto: İsmail Enes Ayhan / Unsplash

In einer wachsenden Zahl kanadischer Rechenzentren übernehmen Lithium-Ionen-Batterien die Rolle traditioneller Bleiakkus als Notstromversorgung. Sie überbrücken die kurze Zeitspanne zwischen einem Stromausfall und dem Anlaufen der Notstromgeneratoren. Die Batterien sind kompakter und leistungsfähiger als Bleiakkus, doch ihre hohe Energiedichte bringt eine neue Art von Brandrisiko mit sich, warnt Brian O’Connor, Senior Engineer bei der US-amerikanischen National Fire Protection Association (NFPA), in der kanadischen Fachzeitschrift Canadian Occupational Safety.

Warum stellen Lithium-Ionen-Batterien ein neues Brandrisiko dar?

Ein Brand in einer Lithium-Ionen-Zelle entsteht meist, wenn der interne Separator beschädigt wird oder zu dünn wird, was einen Kurzschluss verursacht. Die entstehende Hitze lässt den Elektrolyten zu einem brennbaren, giftigen Gas verdampfen, das die Zelle mit einer fackelartigen Stichflamme aufreißen kann; in einem geschlossenen Raum kann dies zudem zu einer Explosion führen. Laut O’Connor muss Brandschutz deshalb bereits in der Entwurfsphase berücksichtigt werden, nicht erst nachträglich.

Wie breitet sich ein Brand zwischen Batteriezellen aus?

Da Batteriezellen oft eng aneinander gepackt sind, kann eine Störung in einer Zelle innerhalb von Sekunden auf die benachbarten Zellen übergreifen. „Die sechs bis neun Batteriezellen rund um die erste Zelle haben dann bereits begonnen zu versagen“, sagt O’Connor. „Von da an funktioniert es im Grunde wie ein Domino-Effekt.“ Manche Systeme verfügen über Wärmebarrieren zwischen den Zellen, doch das ist kein fester Standard. Das robuste Gehäuse, das die Batterien langlebig macht, erschwert es Feuerwehrleuten zugleich, die Zellen nach der Entzündung mit Wasser zu erreichen. Laut O’Connor verfügen Rechenzentren häufig über fortschrittliche Detektions- und Löschsysteme; Gaslöschanlagen werden oft gewählt, um kostbare Geräte zu schonen.

Wie können Rechenzentren das Risiko beherrschen?

Rechenzentren bergen von sich aus schon erhebliche Wärme- und elektrische Risiken. Batterien werden als unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) eingesetzt, mal gebündelt in einer zentralen Batteriebank, mal verteilt über Serverracks. Der Artikel verweist dabei auf NFPA 855, die US-amerikanische Norm für die Installation stationärer Energiespeichersysteme. Die aufkommende Flüssigkeitskühlung treibt die Speicherdichte weiter nach oben, wodurch der Wert der im Brandfall gefährdeten Geräte steigt. Dieser Trend passt laut der Quelle zu aktuellen technischen Untersuchungen der Universität Waterloo (Ontario, Kanada) zu Batterierisiken in KI-Rechenzentren. O’Connor plädiert für einen Lebenszyklus-Ansatz statt eines einmaligen Installationsschritts: „Sorgen Sie dafür, dass Sicherheit schon sehr früh in der Planungsphase auf den Tisch kommt.“ Da große Anlagen, ebenso wie Verbraucherbatterien, mit der Zeit an Kapazität verlieren, muss auch das Ende der Lebensdauer vorab geregelt werden: „Man will nicht irgendwo mit einem großen, zurückgelassenen Batteriesystem enden“, so O’Connor. Bleiakkus bergen ebenfalls das Risiko eines thermischen Durchgehens (Thermal Runaway) und sind Feuerwehrleuten vertrauter, doch Lithium-Ionen-Batterien sind leichter und liefern mehr Leistung auf weniger Raum, was den Brandschutzplan komplexer macht.

Kontext

Dass dies kein theoretisches Risiko ist, zeigte sich am 26. September 2025 bei einem Brand in einem Rechenzentrum in Daejeon, Südkorea: Eine vermutete Batterieexplosion führte dort zu einem thermischen Durchgehen in fast zweihundert Lithium-Ionen-Batteriepacks, wodurch Hunderte Online-Dienste der Regierung ausfielen, meldete das International Fire and Safety Journal. Die südkoreanische nationale Feuerwehrbehörde registrierte allein in der ersten Hälfte von 2025 296 Batteriebrände, mit 23 Verletzten und einem Schaden von 22,4 Milliarden KRW. Laut dem Analysehaus IDTechEx gibt es noch keine weltweite Regulierung für Batteriespeichersysteme in Rechenzentren, während sich der Stromverbrauch von Rechenzentren innerhalb von zehn Jahren voraussichtlich mehr als verdreifachen wird.

Für HSE-Fachleute weltweit unterstreicht diese Entwicklung, dass Batteriespeicherung kein rein technisches oder finanzielles Thema ist, sondern Teil einer Brandschutzpolitik, die in praktisch jeder Rechtsordnung Aufmerksamkeit verlangt. Je mehr Anlagen auf Lithium-Ionen-Notstrom umstellen, desto größer wird die Notwendigkeit, Detektion, Löschkapazität, Schulung der Einsatzkräfte und Planung des Lebensendes gemeinsam zu überdenken, statt Brandschutz als einmalige Genehmigungsanforderung zu behandeln.

Quelle: Lithium-ion batteries bring new fire risks to Canadian data centres, 30. Oktober 2026

Zusätzlich recherchiert: Fire prevention lessons emerging from data centre battery failures, International Fire and Safety Journal, 6. Oktober 2025

Nach oben scrollen