Ein schottischer Fischverarbeiter muss insgesamt 263.375 £ zahlen, nachdem der rechte Arm eines Vorarbeiters in eine Maschine gezogen wurde, bei der eine feste Schutzvorrichtung während einer Wartung entfernt und danach nicht wieder angebracht worden war. Der Unfall ereignete sich am 19. August 2025; die Verurteilung durch das Peterhead Sheriff Court in Peterhead, Schottland, Vereinigtes Königreich, erfolgte am 28. Oktober 2026. Nach Angaben der britischen Arbeitsschutzbehörde war der Unfall vollständig vermeidbar.
Was geschah
Der Unfall ereignete sich am 19. August 2025 bei der Lunar Freezing and Cold Storage Company Limited in Peterhead. Das Unternehmen verarbeitet und friert Fisch für die Lagerung und den Vertrieb ein. An der Produktionslinie sorgt ein sogenannter Rack Loader mit einem Schieber-Bauteil für die Zufuhr von Kartons auf einen Fördermechanismus.
Etwa zwei Wochen vor dem Unfall war ein festes Schutzpaneel der Maschine während Wartungsarbeiten entfernt worden. Das Paneel wurde danach nicht wieder angebracht. So entstand eine Öffnung, durch die der Rack Loader erreichbar war, ohne dass der Strom abgeschaltet wurde. Mitarbeiter gingen wiederholt durch diese Öffnung, um verklemmte Kartons zu lösen, anstatt das dafür vorgesehene, mit einer Verriegelung gesicherte Zugangstor zu benutzen.
Am Tag des Unfalls tat der Vorarbeiter dasselbe: Er griff durch die Öffnung nach einem verklemmten Karton, ohne die Maschine stillzusetzen oder den Strom zu isolieren. Als die Maschine wieder anlief, wurde sein rechter Arm in den Rack Loader gezogen. Ein Kollege konnte die Maschine stoppen. Der Mann erlitt einen Kieferbruch sowie Verletzungen an Brust und Arm. Er wurde operiert, wobei Metallplatten in seinen Kiefer eingesetzt wurden, lag drei Tage im Krankenhaus und kehrte am 29. September 2025 an seinen Arbeitsplatz zurück. Er ist inzwischen vollständig genesen.
Erkenntnisse
Die Health and Safety Executive (HSE), die britische Arbeitsschutzbehörde, untersuchte den Unfall und kam zu dem Schluss, dass er vollständig vermeidbar war. Das Wartungspersonal hatte das fehlende Schutzpaneel gesehen, es aber nicht wieder anbringen lassen. Zudem deckte die wöchentliche Inspektionsliste des Unternehmens nicht-elektrische feste Schutzvorrichtungen überhaupt nicht ab: Die Kontrollen richteten sich auf elektrische Schutzvorrichtungen, nicht aber auf mechanische Abschirmungen wie das entfernte Paneel.
Das Unternehmen bekannte sich schuldig im Sinne eines Verstoßes gegen Regulation 11(1) und (2) der Provision and Use of Work Equipment Regulations 1998 (PUWER) sowie gegen Section 33(1)(c) des Health and Safety at Work etc. Act 1974. HSE-Inspektorin Nicky Smith erklärte: „Dies war ein vollständig vermeidbarer Vorfall, bei dem ein Arbeiter schwer verletzt wurde“ und „Eine fehlende Schutzvorrichtung und eine unkontrollierte Öffnung ermöglichten es, dass ein Arbeiter in eine Maschine gezogen wurde.“
Verurteilung
Am 28. Oktober 2026, mehr als vierzehn Monate nach dem Unfall, verurteilte das Peterhead Sheriff Court die Lunar Freezing and Cold Storage Company Limited zu einer Geldstrafe von 245.000 £, zuzüglich eines Opferzuschlags (victim surcharge) von 18.375 £, insgesamt 263.375 £.
Empfehlungen
Inspektorin Smith betonte, dass Schutzvorrichtungen an ihrem Platz bleiben müssen und dass Kontrollen jede Schutzvorrichtung erfassen müssen, nicht nur die elektrischen: „Schutzvorrichtungen müssen an ihrem Platz bleiben, und Kontrollen müssen jede Schutzvorrichtung erfassen, nicht nur die elektrischen.“ Die Pressemitteilung verweist außerdem auf den HSE-Leitfaden HSG253, „The safe isolation of plant and equipment“, zur sicheren Isolierung von Anlagen und Geräten.
Kontext
Unabhängig von diesem Fall beschreibt die HSE in ihrem allgemeinen Leitfaden zur Wartung von Arbeitsmitteln dieselbe Kernpflicht: Vor einer Wartung müssen bewegliche Teile stillstehen und Energiequellen isoliert werden, und Maschinen müssen abgeschaltet und gesichert werden („locked off“), wenn das Risiko besteht, dass der Strom versehentlich wieder eingeschaltet wird. Derselbe Leitfaden legt fest, dass der Schutz gegen den Kontakt mit gefährlichen Teilen, wo immer möglich, an seinem Platz bleiben muss und dass zumindest eine vorübergehende Abschirmung, Warnhinweise und Barrieren nötig sind, wenn das nicht möglich ist.
Für HSE-Fachleute weltweit veranschaulicht dieser Fall ein bekanntes Risikomuster: eine während einer Wartung entfernte Schutzvorrichtung, die sich still und heimlich zur festen Praxis entwickelt, ohne dass Energiequellen jemals isoliert werden. Die Grundsätze von Lock-out/Tag-out bei der Maschinenwartung gelten weltweit, sind aber nur wirksam, wenn Inspektionsroutinen tatsächlich jede physische Schutzvorrichtung prüfen und Wartungsteams Abweichungen melden, anstatt sich damit abzufinden.
Quelle: Fish processing firm fined almost a quarter of a million pounds after worker’s arm pulled into machine after safety guard left off, HSE, 29. Oktober 2026
Zusätzlich recherchiert: HSE — Maintenance of work equipment

