Ein Forscherteam hat bei 202 Telearbeitenden in Mexiko einen neuen Fragebogen entwickelt und vorläufig validiert, um die ergonomischen Risiken der Arbeit von zu Hause aus zu messen. Die Studie, durchgeführt unter Beschäftigten der mexikanischen Fertigungsindustrie, erschien am 6. Oktober 2026 in der Fachzeitschrift Ergonomics und wurde von Forscher Rodríguez-Orona und Kollegen mehrerer mexikanischer akademischer Einrichtungen durchgeführt. Welche Einrichtungen das sind, nennt der Quellenartikel nicht.
Warum ein neues Messinstrument?
Laut der spanischsprachigen Fachplattform Prevencionar besteht Bedarf an zuverlässigen Instrumenten zur Analyse der Ergonomie von Heimarbeitsplätzen. Über den Zusammenhang zwischen den Arbeitsbedingungen zu Hause und muskuloskelettalen Beschwerden ist bislang relativ wenig bekannt. In Mexiko legt die Norm NOM-037-STPS-2023 die Sicherheits- und Gesundheitsbedingungen für diese Arbeitsform fest.
Wie funktioniert das neue Instrument?
Die Forscher begannen mit einem Fragebogen von 58 Items, basierend auf einer Literaturstudie zu Ergonomie und Telearbeit. Dieser Fragebogen wurde digital bei den 202 Teilnehmenden erhoben, die alle in der Fertigungsindustrie tätig sind. Mittels explorativer und konfirmatorischer Faktorenanalyse reduzierten die Forscher die Antworten auf ein kompakteres Modell. Auch die psychometrischen Eigenschaften des Instruments wurden untersucht, darunter interne Konsistenz, Zuverlässigkeit sowie konvergente und diskriminante Validität. Das Ergebnis ist ein endgültiges Modell aus 12 Variablen, verteilt auf vier Faktoren. Das ist deutlich kürzer als die ursprüngliche Version mit 58 Items. Die Namen der vier Faktoren werden im Quellenartikel nicht genannt.
Vorläufige Ergebnisse und Einschränkungen
Die Forscher räumen selbst eine methodische Einschränkung ein: Die Stichprobe für die konfirmatorische Analyse war nicht unabhängig von der Stichprobe, mit der das Modell entwickelt wurde. Laut Prevencionar kann dies zu allzu optimistischen Schätzungen der statistischen Passung führen, weshalb die Ergebnisse als vorläufige psychometrische Validierung und nicht als endgültige Bestätigung zu lesen sind. Die Plattform weist zudem darauf hin, dass die Studie nicht zeigt, dass der Einsatz des Instruments zu weniger muskuloskelettalen Beschwerden führt, und dass sie keine Zahlen zur landesweiten Prävalenz liefert. Ein Fragebogen ersetzt außerdem nicht automatisch eine technische Beurteilung des Arbeitsplatzes. Weitere Forschung mit unabhängigen Stichproben und Beschäftigten aus anderen Branchen ist erforderlich. Prevencionar betrachtet die Arbeit von Rodríguez-Orona und Kollegen zwar als Beitrag zum Fachgebiet, betont jedoch, dass es sich lediglich um einen ersten Schritt handelt.
Kontext
Auch in Europa erhalten diese Risiken Aufmerksamkeit. Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) nennt statisches Sitzen, Bildschirmarbeit, eine mangelhafte Arbeitsumgebung (zum Beispiel schlechte Beleuchtung) und psychosoziale Belastung als Risikofaktoren bei Telearbeit. Mögliche Folgen sind Rückenbeschwerden, Erkrankungen der oberen Extremitäten und die Verschlimmerung bestehender Beschwerden. Laut EU-OSHA gehört Telearbeit in die Risikobeurteilung jedes Arbeitgebers, und die Agentur empfiehlt eine Telearbeitspolitik mit Vereinbarungen zu Risikobeurteilung, ergonomischer Ausstattung, Arbeitszeiten und erwarteten Ergebnissen.
Quelle: Studie entwickelt neuen ergonomischen Fragebogen für mexikanische Telearbeitende, 27. Oktober 2026
Zusätzlich herangezogen: EU-OSHA, „Musculoskeletal disorders related to telework – Tips for employers“.

