Der Stahlhersteller Algoma Steel Inc. wurde zu einer Geldstrafe von 200.000 C$ verurteilt, nachdem 2023 ein Vertragsarbeiter bei Reinigungsarbeiten an einer Gasleitung auf dem Werksgelände in Sault Ste. Marie, Ontario, Kanada, ums Leben gekommen war. Das Unternehmen bekannte sich schuldig, die Leitung nicht gegen unbefugten Zutritt gesichert und keine Warnschilder angebracht zu haben.
Sachverhalt
Der Unfall ereignete sich am 15. Juni 2023 während einer geplanten Stilllegung des Algoma-Steel-Werks in der 105 West St. in Sault Ste. Marie, Ontario, Kanada. Dort wurde eine 36 Zoll (rund 91 Zentimeter) durchmessende Kokereigasleitung von einem Vertragsarbeiter der Firma GFL Environmental Services Inc. gereinigt, die Algoma mit der Reinigung beauftragt hatte. Der Arbeiter war erfahren und hatte eine Schulung zum Bewusstsein für Gefahren in engen Räumen und zu weiteren Sicherheitsthemen absolviert.
Vor Beginn der Arbeiten hatte Algoma Steel die Leitung mit Stickstoff gespült, um brennbare Gase zu entfernen. Dabei wurde jedoch auch der Sauerstoff aus der Leitung entfernt, wodurch ein Betreten ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen lebensgefährlich war. Algoma hatte die Arbeiten und die damit verbundenen Risiken mit GFL besprochen, unter der ausdrücklichen Bedingung, dass die Arbeiter die Leitung nicht betreten durften; ein Betreten war zur Fertigstellung der Arbeiten auch nicht erforderlich.
Gegen Ende der Arbeiten führte ein Arbeiter eine Kamera in die Leitung ein, damit ein Kollege Fotos vom Inneren machen konnte. Danach stieg der Arbeiter selbst in die Leitung und kam durch Sauerstoffmangel ums Leben.
Erkenntnisse
Die Untersuchung des Ontario Ministry of Labour, Immigration, Training and Skills Development ergab, dass die Leitung nicht gegen unbefugten Zutritt gesichert war und keine Warnschilder zum unbefugten Zutritt angebracht waren. Weder Algoma Steel noch GFL Environmental Services hatten das Betreten der Leitung erlaubt oder erwartet. Algoma Steel Inc. bekannte sich schuldig und wurde am 1. September 2026 verurteilt. Richter Matthew Raymond Caputo verhängte eine Geldstrafe von 200.000 C$, zuzüglich eines 25-prozentigen Opferzuschlags (victim fine surcharge) nach dem Provincial Offences Act, dem ontarischen Gesetz zur Verfolgung provinzieller Ordnungswidrigkeiten. Das Ministerium gab das Urteil am 8. Oktober 2026 in einem Gerichtsbulletin bekannt. Die Verurteilung stützte sich auf Section 17 der Ontario Regulation 632/05 und Section 25(1)(c) des Occupational Health and Safety Act.
Empfehlungen
Section 17 der Ontario Regulation 632/05 verpflichtet Arbeitgeber, jeden Zugang zu einem Raum, der unbefugt betreten werden könnte, zu verschließen oder andernfalls durch Barrieren, Warnschilder oder beides zu sichern. Ein Sauerstoffgehalt unter 19,5 Prozent oder über 23 Prozent des Volumens gilt als atmosphärische Gefahr. Die Richtlinie des Ministeriums sieht vor, dass nur befugtes Personal einen engen Raum betreten darf, gemäß dem Plan des Arbeitgebers, und dass ein Wachposten den Zugang überwacht, solange sich Personen darin befinden. Die Richtlinie nennt Sauerstoffmangel als wesentliche Ursache tödlicher Unfälle in engen Räumen, der entsteht, wenn andere Gase den Sauerstoff verdrängen, und bezeichnet Leitungen ausdrücklich als Räume, die nicht für einen dauerhaften Aufenthalt ausgelegt sind. Die Quelle nennt keine gesonderten Empfehlungen; der Fall zeigt jedoch, dass die Erörterung von Risiken und entsprechende Anweisungen nicht ausreichen, solange der physische Zugang zu einem gefährlichen Raum nicht verschlossen oder gekennzeichnet ist, selbst wenn der Arbeitsplan ein Betreten nicht vorsieht.
Kontext
Gefahren in engen Räumen, wie die Verdrängung von Sauerstoff durch Inertgas, treten in praktisch jeder Branche und jedem Rechtsgebiet auf, in dem Leitungen, Tanks oder Silos gereinigt oder gewartet werden. In Kanada regelt die nationale Norm CSA Z1006, Management of Work in Confined Spaces, wie Arbeitgeber Arbeiten in engen Räumen steuern und Rettungseinsätze koordinieren. Die Norm beruht auf dem Grundsatz, dass jeder enge Raum als gefährlich gilt, sofern eine fachkundige Person nach Gefahrenermittlung und Risikobewertung nicht das Gegenteil feststellt. Bei der Einführung der Norm im Jahr 2010 wurden Zahlen genannt, die die Risiken verdeutlichen: In British Columbia starben zwischen 1989 und 2004 achtzehn Menschen beim Betreten enger Räume, darunter fünf Personen, die versuchten, die ursprünglichen Opfer zu retten. Dieses Muster deckt sich mit Zahlen des US-amerikanischen NIOSH, wonach bei mehr als 60 Prozent der tödlichen Unfälle in engen Räumen Retter beteiligt sind, die versuchten, ein Opfer zu retten.
Quelle: Algoma Steel fined $200,000 after contract worker dies in unsecured confined space, 9. Oktober 2026
Zusätzlich recherchiert: CSA launches new confined space standard (CSA Z1006)

