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Belgien startet Kampagne für sicheren Umgang mit Putzmitteln

Gummi-Putzhandschuhe auf einer Küchenarbeitsplatte
SymbolbildFoto: Avinash Kumar / Unsplash

In Belgien ist eine neue föderale Kampagne zum sicheren Umgang mit Reinigungs- und Desinfektionsmitteln gestartet. Die Initiative des Föderalen Öffentlichen Dienstes (FÖD) Volksgesundheit, Sicherheit der Nahrungsmittelkette und Umwelt und der belgischen Giftzentrale läuft unter dem Namen „Sicher putzen“ über die Plattform Poetsveilig.be und richtet sich sowohl an Verbraucher als auch an Putzhilfen. Um diese letzte Gruppe zu erreichen, arbeitet der FÖD Volksgesundheit mit Dienstleistungsscheck-Unternehmen und dem FÖD Beschäftigung zusammen. Die Kampagne wurde am 7. Oktober 2026 angekündigt und läuft zwei Jahre.

Wann ist Desinfizieren nötig, und wann nicht?

Laut den Initiatoren greifen die Menschen seit der Coronapandemie schneller zu Desinfektionsmitteln wie Desinfektionssprays und Bleichmittel. Für die normale Haushaltsreinigung reichen in den meisten Fällen Wasser mit Seife oder ein milder Allzweckreiniger aus. Desinfektionsmittel sind Biozide, die mit starken Chemikalien fast alle Mikroorganismen abtöten. Sie können in bestimmten Situationen nötig sein: bei einer ansteckenden Krankheit im Haushalt, etwa einer Magen-Darm-Grippe, COVID-19 oder MRSA, um jemanden mit geschwächtem Immunsystem zu schützen, nach Kontakt mit Blut, Erbrochenem oder Stuhl, auf ärztlichen Rat oder bei Schimmelbildung. Im letzten Fall betont die Kampagne, dass auch die zugrunde liegende Ursache, etwa Feuchtigkeitsprobleme, angegangen werden muss, sonst kommt der Schimmel zurück.

Risiken bei falscher Anwendung

Übermäßiger oder falscher Gebrauch von Putz- und Desinfektionsmitteln kann der Gesundheit schaden. Die Kampagne weist auf Reizungen der Haut, der Augen und der Atemwege sowie auf Kopfschmerzen oder Übelkeit beim Arbeiten in schlecht belüfteten Räumen hin. Über das Abwasser können dieselben Stoffe zudem Tieren und Pflanzen in der Umwelt schaden. Für Putzhilfen formuliert Poetsveilig.be konkrete Sicherheitstipps: das richtige Produkt für die jeweilige Aufgabe wählen, vorzugsweise milde Mittel wie Marseiller Seife, Natron (Natriumbicarbonat) oder Putzessig; das Etikett lesen und die Anweisungen befolgen; während und nach dem Putzen lüften; Sprays und Zerstäuber vermeiden, da dabei chemische Partikel unbemerkt eingeatmet werden; Produkte niemals miteinander mischen und sicher aufbewahren, außerhalb der Reichweite von Kindern und Haustieren. Beim Mischen von Produkten können giftige Gase freigesetzt werden.

Kontext

Das Risiko, das die Kampagne thematisiert, ist nicht rein theoretisch. Im Oktober 2020, während der Coronapandemie, meldeten der FÖD Volksgesundheit und die Giftzentrale einen „Rekord“ an Unfällen mit Haushaltsreinigungsmitteln. Während der Jahresdurchschnitt damals bei rund zehntausend Unfällen mit solchen Produkten lag, hatte sich die Zahl der Vorfälle mit Bleichmittel oder Produkten auf Bleichmittelbasis seit März 2020 verdoppelt (1.024), die mit Handdesinfektionsmittel verfünffacht (1.003) und die mit anderen Desinfektionsmitteln verdreifacht (565). Ende Juli 2020 verzeichnete die Giftzentrale außerdem einen Höhepunkt bei Vergiftungen durch Handdesinfektionsmittel bei Kindern. Aktuellere Zahlen werden in der Kampagnenankündigung nicht genannt, doch diese früheren Feststellungen unterstreichen, warum eine Kampagne, die auf weniger, aber besseren und sichereren Gebrauch setzt, relevant bleibt.

Das Problem ist nicht nur in Belgien vorhanden: Die Sicherheit chemischer Produkte am Arbeitsplatz und im Haushalt ist weltweit ein politisches Thema. Länder, die das weltweit harmonisierte System zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien (GHS) anwenden, etwa über die europäische CLP-Verordnung, verpflichten Hersteller, Gefahrensymbole und Sicherheitshinweise deutlich auf dem Etikett anzugeben. Das erleichtert Nutzern in diesen Ländern, Risiken zu erkennen, etwa die Gefahr des Mischens unverträglicher Stoffe.

Quelle: Nieuwe campagne rond het veilig gebruik van poetsproducten, 7. Oktober 2026

Zusätzlich recherchiert: Belgium sees ‚record‘ poisonings with household cleaners, hand gel and essential oils, The Brussels Times, 19. Oktober 2020

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