Vom 14. bis 18. September 2026 findet in den Vereinigten Staaten die Construction Suicide Prevention Week statt, eine Aufklärungswoche, die mit dem US-amerikanischen National Suicide Prevention Month zusammenfällt. Die Woche lenkt den Blick auf ein Problem, das in der Baubranche schon länger schwelt: eine auffällig hohe Zahl von Suiziden unter Bauarbeitern. Untersuchungen des US-amerikanischen Center for Construction Research and Training (CPWR) bilden die Grundlage für viele der Zahlen und Risikofaktoren, die in dieser Woche thematisiert werden.
Zahlen, die zu denken geben
Die Zahlen aus den Vereinigten Staaten sind eindeutig. Bauarbeiter nehmen sich mit einer Häufigkeit das Leben, die vier- bis fünfmal höher liegt als bei US-Beschäftigten im Allgemeinen. Damit weist die Baubranche die zweithöchste Suizidrate aller Berufsgruppen auf: 53,3 pro 100.000 Beschäftigte. Im Jahr 2024 starben in den USA mehr als 5.000 Bauarbeiter im Alter zwischen 16 und 64 Jahren durch Suizid, gegenüber rund 900, die durch Unfälle auf der Baustelle ums Leben kamen. CPWR-Untersuchungen zufolge spielen mehrere Faktoren eine Rolle: arbeitsbedingte Verletzungen, Einschüchterung und Mobbing am Arbeitsplatz, mangelnder Zugang zu bezahltem Urlaub, arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen sowie Faktoren auf Gemeindeebene. Auch reisende Bauarbeiter, die für Projekte von Hotel zu Hotel oder von Campingplatz zu Campingplatz ziehen, tragen ein erhöhtes Risiko: Ihr Alltag spielt sich häufig ausschließlich zwischen Baustelle und Unterkunft ab, wodurch das soziale Auffangnetz fehlt, auf das Beschäftigte mit festem Wohnsitz in der Regel zurückgreifen können.
Warum Hilfe oft nicht in Anspruch genommen wird
Viele US-Arbeitgeber bieten inzwischen ein Employee Assistance Program (EAP) an: 84 % der Arbeitsplätze mit 500 oder mehr Beschäftigten, 66 % der Arbeitsplätze mit 100 bis 499 Beschäftigten und 32 % der Unternehmen mit 1 bis 19 Beschäftigten. Bis zu 60 % der US-Beschäftigten haben theoretisch über den Arbeitgeber Zugang zu einem solchen Programm. Die tatsächliche Inanspruchnahme bleibt jedoch auffällig gering: Nur 4 % bis 10 % der Beschäftigten mit Zugang nutzen das Angebot tatsächlich, vor allem wegen des anhaltenden Stigmas rund um psychische Gesundheit. Der Artikel verweist auf drei empfohlene Maßnahmen: mehr Bewusstsein für verfügbare Angebote im Bereich psychische Gesundheit schaffen, die Nutzung von EAPs fördern, indem das Stigma abgebaut wird, und die systemischen arbeitsbezogenen Faktoren angehen, die zu der Krise beitragen. Bei akutem Handlungsbedarf verweist der Quellartikel auf die US-amerikanische 988 Suicide and Crisis Prevention Hotline, die rund um die Uhr kostenlos und vertraulich erreichbar ist — ein Angebot, das speziell für die USA gilt.
Für EHS-Fachleute ist dieses Thema über Landesgrenzen hinweg relevant: Psychische Gesundheit wird zunehmend zu einem festen Bestandteil einer ganzheitlichen Arbeitsschutzpolitik, neben physischen Risiken wie Stürzen, Verletzungen und der Exposition gegenüber Gefahrstoffen. Auch in der niederländischen und europäischen Baubranche spielen vergleichbare Risikofaktoren eine Rolle, etwa hoher Arbeitsdruck, Flexarbeit und projektgebundene Mobilität, was das Thema zu einem dauerhaften Schwerpunkt der Präventionspolitik in der Branche macht.
Quelle: Construction Suicide Prevention Week Brings Awareness to Industry Challenges, 8. September 2026, https://www.ishn.com/articles/115585-construction-suicide-prevention-week-brings-awareness-to-industry-challenges
