PFAS-Abbaustoff TFA im Blut von Europäern nachgewiesen
Forscher der Vrije Universiteit Amsterdam (VU Amsterdam) in den Niederlanden haben die ultrakurzkettige PFAS-Verbindung Trifluoracetat (TFA) im Blut aller 110 Teilnehmenden einer explorativen europäischen Biomonitoring-Studie nachgewiesen. Die mediane TFA-Konzentration lag 4,6-mal höher als die kombinierte mediane Konzentration von vier gut untersuchten langkettigen PFAS. Die VU Amsterdam gab die Ergebnisse am 1. Oktober 2026 bekannt. Sie lenken die Aufmerksamkeit auf einen Stoff, zu dem beim Menschen bislang wenig erforscht wurde.
Was ergab die Studie?
Für die Studie wurden Blutproben und Fragebogendaten von 110 Freiwilligen aus neun europäischen Ländern erhoben. Die Toxikologin Marjorie van Duursen und die Epidemiologin Virissa Lenters von der VU Amsterdam werteten die anonymisierten Daten im Auftrag der Fraktion Grüne/EFA im Europäischen Parlament aus; sie waren nicht an der Konzeption der Studie, der Blutentnahme oder den Laboranalysen beteiligt. Neben TFA wurden auch PFOS, PFOA, PFHxS und PFNA gemessen, die vier Stoffe, die die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) in ihrer Risikobewertung verwendet. Bei 27 der 110 Teilnehmenden, etwa einem Viertel, überschritt die kombinierte Konzentration dieser vier Stoffe den Referenzwert der EFSA. Nach Angaben der Forschenden lagen die gemessenen TFA-Werte höher als in früheren Humanstudien, wobei weltweit noch wenig vergleichende Forschung zu TFA im Blut vorliegt. Ein deutlicher Unterschied bei den TFA-Werten zwischen Männern und Frauen wurde nicht festgestellt. Die Forschenden betonen, dass die Stichprobe nicht repräsentativ für die europäische Bevölkerung und zu klein für verlässliche Vergleiche zwischen Ländern ist; die Ergebnisse dürfen daher nicht ohne Weiteres auf alle Europäer übertragen werden.
Was ist TFA und warum ist es besorgniserregend?
TFA ist ein Abbauprodukt bestimmter PFAS und anderer fluorhaltiger Stoffe, darunter einige Kältemittel und Pflanzenschutzmittel. Der Stoff kann in Wasser und Pflanzen gelangen und so ins Trinkwasser und in Lebensmittel; Menschen können TFA auch über die Luft einatmen. „Wir wissen noch relativ wenig über die gesundheitlichen Auswirkungen von TFA“, sagt Van Duursen. „Ultrakurzkettige PFAS wie TFA sind eine Art blinder Fleck geblieben.“ Laut den Forschenden zeigen Tierstudien Effekte auf Leber, Schilddrüse, Fruchtbarkeit und Entwicklung; die gesundheitlichen Auswirkungen beim Menschen sind noch wenig verstanden. Sie fordern mehr Forschung zu Quellen, Exposition und Gesundheitseffekten und plädieren für eine rasche Verringerung der Emissionen und der Exposition gegenüber TFA sowie gegenüber Stoffen, die zu TFA abgebaut werden können.
Kontext
Der Ausschuss für Risikobeurteilung (RAC) der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) empfahl am 5. Juni 2026, TFA als reproduktionstoxisch der Kategorie 1B einzustufen, mit den Gefahrenhinweisen, dass der Stoff das ungeborene Kind schädigen kann und der Verdacht besteht, dass er die Fruchtbarkeit beeinträchtigt; über diese Einstufung muss die Europäische Kommission noch entscheiden. Welche Folgen diese Einstufung für die geplante EU-weite Beschränkung von PFAS im Rahmen der REACH-Verordnung hat, war laut dem europäischen Verband der Lüftungs- und Kältebranche Eurovent damals noch unklar. Nach Angaben der VU-Forschenden haben die europäischen Behörden zudem die duldbare tägliche Aufnahmemenge von TFA gesenkt.
Quelle: PFAS : des niveaux élevés de TFA détectés dans le sang de volontaires européens, 6. Oktober 2026
Zusätzlich recherchiert: VU Amsterdam, „Little-studied PFAS TFA widely detected in blood of European participants“, Eurovent, „ECHA classifies TFA as highly hazardous“

