Sonntag, 1. November 2026Zuverlässige Nachrichten zu Sicherheit, Gesundheit und Umwelt
NachrichtenGesundheitswesen & Wohlfahrt

EU-OSHA veröffentlicht Bericht zur Sicherheit in der Altenpflege

Heller, leerer Flur in einer Pflegeeinrichtung
SymbolbildFoto: Al Butler / Unsplash

Anlässlich des Internationalen Tags der Pflege und Unterstützung hat die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit (EU-OSHA) am 29. Oktober 2026 neue Publikationen zur Arbeitssicherheit und zum Gesundheitsschutz in der stationären Langzeitpflege vorgestellt. Dabei handelt es sich um einen Hauptbericht mit 118 Seiten, eine sechsseitige Zusammenfassung und sechs Praxisbeispiele aus verschiedenen EU-Ländern.

Welche Risiken tragen Beschäftigte in der Altenpflege?

Beschäftigte in Pflege- und Altenheimen verbinden körperlich schwere Arbeit mit emotional belastenden Aufgaben, oft in unregelmäßigen Schichten und bei niedrigem Lohn. Laut EU-OSHA handelt es sich um eine Kombination von Risiken: Muskel-Skelett-Erkrankungen durch das Heben und Umsetzen von Bewohnern, psychosoziale Belastung und Risiken für die psychische Gesundheit, Arbeitsunfälle sowie die Exposition gegenüber biologischen und chemischen Stoffen. Personalmangel, eine belastende Arbeitsorganisation und begrenzte Karrieremöglichkeiten erhöhen laut der Agentur den Druck auf das Personal.

Was steht im neuen EU-OSHA-Bericht?

Der Hauptbericht, „Residential care workers: a comprehensive overview of occupational safety and health“, kartiert die häufigsten Risiken in der Branche und enthält politische Empfehlungen. Laut EU-OSHA erfordert wirksame Prävention eine Kombination aus besserer Arbeitsorganisation, unterstützendem Management und einer wirksamen Risikobewertung. Eine separate sechsseitige Zusammenfassung fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen.

Praxisbeispiele aus ganz Europa

Neben dem Hauptbericht veröffentlichte die EU-OSHA sechs Praxisbeispiele, die zeigen, wie in verschiedenen Ländern Risiken in der stationären Pflege angegangen werden. Ein Beispiel aus Deutschland beschreibt ein Notfallprogramm für Pflegepersonal, das auf den Erhalt von Beschäftigten und die Stärkung der Arbeitssicherheit abzielt. Ein Beispiel aus Polen zeigt, wie die Arbeitsbedingungen in der stationären Pflege mit einem partizipativen Ansatz bewertet wurden, und ein Beispiel aus Finnland behandelt die Auswirkungen von Personalschlüsseln in der stationären Pflege auf sicheres und gesundes Arbeiten. Weitere Beispiele beschreiben ein Hilfsmittel für das sicherere Heben von Bewohnern (EasyMAPO), eine Gewerkschaftskampagne gegen den übermäßigen Einsatz von Psychopharmaka bei Bewohnern sowie sichereres Design und Renovierung von Pflegeheimen.

Kontext

Eine frühere Branchenanalyse der EU-OSHA (2022), basierend auf der Europäischen Erhebung über neue und aufkommende Risiken (ESENER) von 2009, 2014 und 2019, skizziert den breiteren Kontext. Der Sektor Gesundheits- und Sozialwesen beschäftigt laut dieser Analyse rund 11 Prozent aller Arbeitnehmer in der EU (Eurostat-Zahl für 2020). Einrichtungen in diesem Sektor melden häufiger als in anderen Branchen Risiken durch das Heben und Umsetzen schwerer Lasten, die Exposition gegenüber chemischen und biologischen Stoffen sowie die Art der Arbeitsorganisation. Schwierige Situationen mit Patienten oder Bewohnern und Zeitdruck gelten laut der Erhebung als die wichtigsten psychosozialen Risiken in der Branche, und mit Ausnahme der Angst vor Arbeitsplatzverlust sind alle gemessenen Risiken zwischen den Erhebungsrunden gestiegen. Gleichzeitig schneidet der Sektor besser ab als der branchenübergreifende Durchschnitt bei Aktionsplänen gegen Arbeitsstress, und Beschäftigte werden häufiger in die Gestaltung von Maßnahmen gegen diesen Stress eingebunden als in anderen Branchen.

Quelle: International Day of Care: new publications on residential care and OSH, 29. Oktober 2026

Zusätzlich geprüft: EU-OSHA (2022), Human health and social work activities: evidence from the European Survey of Enterprises on New and Emerging Risks (ESENER), Zusammenfassung.

Nach oben scrollen