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BAuA: Psychische Belastung treibt Wunsch nach Frührente

Schraubstock auf einer Holzwerkbank
SymbolbildFoto: Steve Giampa / Unsplash

Immer mehr Beschäftigte in Deutschland möchten früher aus dem Erwerbsleben ausscheiden, und psychische Belastung spielt dabei eine größere Rolle als körperliche Belastung. Das zeigt eine Analyse der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), die im August 2026 veröffentlicht und am 14. Oktober 2026 vom Fachmedium Haufe Arbeitsschutz aufgegriffen wurde.

Was zeigt die BAuA-Befragung?

Die Forschenden stützten sich auf die BAuA-Arbeitszeitbefragung, eine fortlaufende Erhebung unter Beschäftigten in Deutschland. Sie nutzten Daten aus fünf Erhebungswellen zwischen 2015 und 2023, insgesamt 32.686 Personenjahr-Beobachtungen. Zentrale Frage: Ist der Wunsch nach einem früheren Renteneintritt gestiegen, und hängt er mit den Arbeitsanforderungen zusammen, denen Beschäftigte ausgesetzt sind?

Die Antwort ist eindeutig. 2015 wollten rund 60 Prozent der Befragten früher aufhören als zur gesetzlichen Regelaltersrente; 2023 war dieser Anteil auf 78 Prozent gestiegen. Zudem glaubt ein Viertel der Beschäftigten (25 Prozent), unter den derzeitigen Bedingungen nicht bis zur regulären Rente durchhalten zu können. Die Forschenden untersuchten gezielt Kombinationen aus körperlichen und psychosozialen Arbeitsanforderungen, sogenannte Mehrfachbelastungen, und kamen zu dem Schluss, dass vor allem psychosoziale Faktoren wie hoher Zeitdruck und Rollenkonflikte den Wunsch nach einem früheren Ausstieg befeuern. Körperliche Belastung, etwa ungünstige Körperhaltungen, spielt ebenfalls eine Rolle, aber eine deutlich kleinere.

Welche Berufe wollen am häufigsten früher aufhören?

Der Wunsch nach einem frühen Ausstieg unterscheidet sich stark nach Berufsgruppe. Fertigungsberufe liegen mit 86 Prozent an der Spitze. Es folgen technische Produktionsberufe mit 83 Prozent sowie Bau- und Ausbauberufe mit 82 Prozent. Auch in Verkehr und Logistik sowie in Gesundheitsberufen liegt der Anteil bei rund 80 Prozent. Bei unternehmensbezogenen Dienstleistungen und Unternehmensführung oder -organisation sind es 75 Prozent, bei sozialen und kulturellen Dienstleistungen 67 Prozent. Laut den Forschenden sollte eine alternsgerechte Personalpolitik deshalb nicht nur einzelne Risiken betrachten, sondern vor allem das gleichzeitige Auftreten mehrerer belastender Faktoren, und die Entlastung von psychischem und organisatorischem Druck sollte schon früh im Erwerbsleben beginnen.

Kontext

Dass der Wunsch nach einem frühen Ausstieg mit der Arbeitsbelastung zusammenhängt, ist auch außerhalb Deutschlands bekannt. Schon ein Bericht von Eurofound, der EU-Agentur für Arbeitsbedingungen, aus dem Jahr 2012 auf Basis der fünften European Working Conditions Survey zeigte, dass rund ein Drittel der Beschäftigten zwischen 50 und 54 Jahren erwartet, nicht bis zum 60. Lebensjahr in derselben Tätigkeit weiterarbeiten zu können oder zu wollen. Am höchsten war dieser Anteil bei Frauen in mittelqualifizierten manuellen Berufen (55 Prozent) und in gering qualifizierten Berufen (54 Prozent), gegenüber 17 Prozent bei männlichen Führungskräften und Fachkräften. Als Erklärung nannte Eurofound belastende Körperhaltungen, eine schlechte Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, Arbeitsplatzunsicherheit und geringe Karriereperspektiven.

Die neuen deutschen Zahlen passen zu diesem Bild: Nicht jeder kann unter denselben Bedingungen länger arbeiten, und in der BAuA-Analyse wiegt vor allem psychische und organisatorische Arbeitsbelastung schwer. Für Arbeitgeber und Präventionsfachleute wird die Vorbeugung von Zeitdruck, Rollenunklarheit und organisatorischem Stress damit neben dem klassischen körperlichen Arbeitsschutz zu einem immer wichtigeren Bestandteil nachhaltiger Beschäftigungsfähigkeit.

Quelle: BAuA-Arbeitszeitbefragung: Wann und warum wollen Beschäftigte früher in die Rente?, 14. Oktober 2026

Zusätzlich recherchiert: Eurofound, Sustainable work and the ageing workforce (2012), auf Basis der fünften European Working Conditions Survey

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