Der Arbeitgeberverband Assolombarda und die regionale Abteilung des italienischen Arbeitsunfallversicherers Inail in der Lombardei haben am 20. Oktober 2026 in Mailand, Italien, ein dreijähriges Kooperationsprotokoll unterzeichnet. Ziel ist es, mit künstlicher Intelligenz (KI) und gezielten Schulungen Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten in der Region Lombardei zu verhindern.
Was die Vereinbarung beinhaltet
Assolombarda vertritt mehr als 7.000 Unternehmen in der Region Mailand und Umgebung. Gemeinsam mit der Direzione regionale Inail Lombardia will der Verband aggregierte Daten und bewährte Verfahren zu Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten austauschen und gemeinsam Präventions- und Risikomanagementinitiativen entwickeln. Ein separates, verwandtes Protokoll verbindet Assolombarda zudem mit den territorialen Inail-Direktionen von Mailand, Monza-Brianza, Lodi und Pavia. Die Parteien erwarten, dass innovative Präventionsmaßnahmen nicht nur die Sicherheit verbessern, sondern auch die Versicherungs- und Sozialkosten senken und zu einem nachhaltigeren und wettbewerbsfähigeren Produktionssystem beitragen.
KI als Hilfsmittel, nicht als Ersatz
Kern der Vereinbarung sind Pilotprojekte, in denen KI eingesetzt wird, um Risikomuster am Arbeitsplatz zu erkennen. Die Parteien betonen ausdrücklich, dass Verantwortung, Transparenz und das Wohlergehen der Menschen an erster Stelle stehen: KI soll Entscheidungen unterstützen, darf aber die menschliche Autonomie und Verantwortung nicht ersetzen. Das Protokoll sieht außerdem einen ständigen technischen Arbeitskreis vor, Information, Schulung und Kommunikation für die angeschlossenen Unternehmen — einschließlich Unterstützung bei der Beantragung von Fördermitteln für Präventionsinvestitionen — sowie Sicherheitsbildung an Schulen und in Ausbildungsgängen.
„Arbeitssicherheit ist kein Kostenfaktor, sondern eine Investition“, so Alessandro Scarabelli, Generaldirektor von Assolombarda. Giuseppe Gigante, Regionaldirektor von Inail Lombardia, wies auf die Bedeutung der territorialen Zusammenarbeit und auf den Fokus der Vereinbarung auf Schulen und Jugendliche hin.
Kontext
Die Mailänder Initiative reiht sich in eine breitere europäische Debatte über KI in der Arbeitssicherheit ein. Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit (EU-OSHA) fordert in ihrer Untersuchung zu KI-gestützten Systemen der Arbeitnehmersteuerung einen menschenzentrierten Ansatz und „Prevention through Design“: Prävention soll bereits in das Design von KI-Systemen eingebaut werden, um die Gesundheit, Sicherheit und das Wohlergehen der Beschäftigten zu schützen. Jüngere EU-OSHA-Veröffentlichungen, etwa ein Informationsblatt über das Spannungsfeld zwischen Produktivität und Sicherheit beim algorithmischen Management und ein Diskussionspapier über die Auswirkungen der europäischen KI-Verordnung auf die Arbeitssicherheit, bauen auf diesem Grundsatz auf.
Für HSE-Fachleute weltweit zeigt diese Vereinbarung, wie ein öffentlicher Arbeitsunfallversicherer und ein Arbeitgeberverband gemeinsam untersuchen, wie Datenanalyse und KI helfen können, Risiken früher zu erkennen, ohne die menschliche Beurteilung bei Sicherheitsentscheidungen zu untergraben. Wie dieses Gleichgewicht zwischen Technologie und menschlicher Verantwortung in der Praxis gewahrt wird, dürfte auch außerhalb Italiens mit Interesse verfolgt werden — zumal die europäische KI-Verordnung auch für die Arbeitssicherheit neue Fragen aufwirft.
Quelle: Accordo tra Assolombarda e Inail: AI e formazione per la prevenzione e la sicurezza sul lavoro, 21. Oktober 2026
Zusätzlich recherchiert: EU-OSHA, „Artificial intelligence for worker management: implications for occupational safety and health“; EU-OSHA, Themenseite „AI and worker management“

