Ein Forschungsteam der University of Alberta in Edmonton (Kanada) hat eine neue Sicherheitsprüfung entwickelt, die sich speziell gegen Wasser-, Eis- und Moorboden-Risiken (Muskeg) im kanadischen Bergbau richtet. Der von Dr. Lianne Lefsrud geleitete Start Work Check passt ein Rahmenwerk der International Association of Oil & Gas Producers (IOGP) an und soll Beschäftigten helfen, unmittelbar vor Beginn einer risikoreichen Aufgabe zu prüfen, ob die richtigen Schutzmaßnahmen vorhanden und wirksam sind.
Was umfasst die neue Prüfung?
Die Prüfung ist mit einem Bowtie-Diagramm verknüpft: einer visuellen Darstellung der Ursachen und Folgen rund um einen zentralen Kontrollverlust, samt den kritischen Schutzmaßnahmen, die diesen verhindern sollen. Vergleichbare Versionen gibt es bereits für Arbeiten in engen Räumen, Erdarbeiten, Arbeiten in der Höhe und mobile Geräte. Neben der Papierversion entwickelt Lefsruds Team die digitale App GroundSafe für Auftragnehmer und Subunternehmer. Die App ist etwa neunzig Prozent fertig, wird Ende November 2026 erwartet und erhält Live-Wetterdaten sowie eine Anfragefunktion zur Kabel- und Leitungsortung. Lefsrud möchte die App kostenlos zur Verfügung stellen. Canadian Natural Resources Ltd. und Chevron setzen die Prüfungen bereits seit reichlich anderthalb Jahren ein, Suncor führt sie derzeit ein.
Warum Wasser-, Eis- und Moorboden-Risiken?
Anlass waren zwei tödliche Unfälle bei Suncor in der kanadischen Provinz Alberta. Im Januar 2021 ertrank ein Auftragnehmer, nachdem das Eis eines gefrorenen Absetzbeckens an Suncors Base Mine nahe Fort McMurray eingebrochen war; Suncor und das beteiligte Unternehmen bekannten sich eines Verstoßes gegen das Arbeitsschutzgesetz von Alberta (OHS Act) für schuldig. 2026 kam an Suncors Fort-Hills-Standort ein Beschäftigter um, als der von ihm bediente Mulcher im Moorboden einsank. Laut Lefsrud kann Moorboden je nach Tiefe ganze Geräteteile verschlucken. Eis auf Absetzbecken ist zudem unberechenbar, weil Verunreinigungen das Gefrieren beeinflussen, und Schnee kann darunterliegendes Wasser oder Moor verbergen, während Beschäftigte oft allein und außerhalb der Mobilfunkreichweite arbeiten. Ein Abschlussbericht aus dem Jahr 2025 untermauert den Ansatz: Von 822 untersuchten schweren und tödlichen Vorfällen zwischen 2018 und 2023 hing sechzig Prozent mit Arbeiten an oder nahe Geräten mit gefährlicher Energie zusammen, gegenüber nur acht Prozent der mehr als 86.000 ausgewerteten Inspektionsfragen. Von 4.662 befragten Beschäftigten und Auftragnehmern gab etwa jeder Vierzehnte an, routinemäßig Wasser- und Eisgefahren ausgesetzt zu sein.
Hintergrund
Der Start Work Check baut auf dem Rahmenwerk der International Association of Oil & Gas Producers (IOGP) auf, dem internationalen Dachverband der Öl- und Gasproduzenten. 2018 überarbeitete die IOGP nach einer umfassenden Datenanalyse ihre Life-Saving Rules zu einem vereinfachten Satz von neun Regeln, die Beschäftigten helfen sollen, sich und ihre Kollegen vor tödlichen Unfällen zu schützen. Im Dezember 2021 führte die IOGP die Start Work Checks als praktisches Hilfsmittel ein, um diese Regeln unmittelbar vor Beginn einer Aufgabe direkt am Arbeitsplatz zu überprüfen – gedacht für Unternehmen, die die Life-Saving Rules bereits nutzen oder einführen möchten.
Bedeutung für andere Branchen
Obwohl die Prüfung auf den kanadischen Ölsand- und Bergbausektor zugeschnitten ist, ist das zugrunde liegende Problem international. Überall, wo an oder nahe Absetzbecken, gefrorenen Flächen oder moorigem Gelände gearbeitet wird, bestehen vergleichbare Ertrinkungs- und Einsinkrisiken, auch im Bauwesen, in der Infrastruktur und im Rohstoffabbau in nördlichen Klimazonen weltweit. Der Bowtie-basierte Ansatz, verknüpft mit dem breiteren IOGP-Rahmenwerk, lässt sich grundsätzlich auf jede Branche mit vergleichbarer Exposition gegenüber Wasser, Eis oder instabilem Untergrund übertragen.
Quelle: New Start Work Check targets water, ice and muskeg hazards in mining, 3. November 2026
Zusätzlich recherchiert: IOGP, Start work checks can help implement Life-Saving Rules

