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Psychische Gesundheit: der stille Sicherheitsfaktor auf US-Bau- und Bohrstellen

Boortoren op een bouwlocatie
Symbolbild

In der amerikanischen Bau- und Bohrindustrie wird physische Sicherheit traditionell stark betont, während die psychische Gesundheit strukturell zu wenig Beachtung findet. Das ist die Kernaussage eines aktuellen Artikels von The Driller, der vom Fachmagazin ISHN übernommen wurde. Die Autoren verweisen auf eine tief verwurzelte „rub dirt in it“-Mentalität – die Vorstellung, Beschäftigte sollten Beschwerden einfach ignorieren und weiterarbeiten –, die ihrer Ansicht nach übersieht, wie isoliert sich Menschen fühlen können, selbst wenn sie auf einer belebten Baustelle physisch von Kollegen umgeben sind.

Der Baubereich ist in den Vereinigten Staaten kein Randsektor: Von den 162,7 Millionen amerikanischen Beschäftigten arbeiten 5,1 Prozent – etwa einer von neunzehn – im Bauwesen. Zudem soll der Sektor indirekt schätzungsweise 95 Prozent der übrigen US-Wirtschaft stützen, was laut dem Artikel die gesellschaftliche Tragweite von Problemen innerhalb der Branche unterstreicht.

Ein besonderer Schwachpunkt betrifft reisende Bautrupps, etwa Bohrcrews, die von Einsatzort zu Einsatzort ziehen. Für sie entfallen die üblichen Möglichkeiten, nach der Arbeit abzuschalten: kein festes Fitnessstudio, keine Nachbarschaftsaktivitäten, kein soziales Netzwerk vor Ort. Ihr Leben spielt sich notgedrungen zwischen Arbeitsplatz, Hotelzimmer und Wohnwagen ab. Wie es der Artikel zusammenfasst: „Unterwegs fallen diese essenziellen Rückzugsräume zur Erholung weg.“ Dieses Fehlen von Ventilen kann den Autoren zufolge zu depressiven Symptomen und starken Angstzuständen bei diesen Beschäftigten beitragen.

Für EHS-Fachleute ist dies relevant, weil es zeigt, dass psychosoziale Arbeitsbelastung nicht losgelöst von der physischen Sicherheit steht, sondern unmittelbar damit zusammenhängt. Erschöpfung, verminderte Konzentration und Stress infolge sozialer Isolation und fehlender Erholungsphasen sind Faktoren, die das Unfallrisiko am Arbeitsplatz erhöhen können. Während sich die Sicherheitspolitik traditionell vor allem auf physische Risiken konzentriert – Absturzgefahr, Maschinensicherheit, persönliche Schutzausrüstung –, erfordert diese Problematik Aufmerksamkeit für das umfassendere Wohlbefinden der Beschäftigten, insbesondere in Tätigkeiten mit häufigem Reisen und vorübergehender Unterbringung. Dies fügt sich in eine breitere, international anerkannte Entwicklung im Bereich der Arbeitssicherheit ein, in der psychische Belastung zunehmend als vollwertiger Bestandteil des Risikomanagements betrachtet wird, neben den klassischen physischen Gefahren.

Der Artikel betont, dass sich diese Dynamik speziell in der amerikanischen Bau- und Bohrbranche zeigt, wo reisende Crews ein gängiges Arbeitsmodell darstellen. Strukturelle Lösungsansätze werden im Ausgangsartikel nicht im Detail ausgeführt, doch die Kernbotschaft ist eindeutig: Wer die psychische Gesundheit vernachlässigt, untergräbt letztlich auch die physische Sicherheit am Arbeitsplatz.

Quelle: The Silent Safety Hazard? Neglecting Mental Health, 2. September 2026, https://www.ishn.com/articles/115571-the-silent-safety-hazard-neglecting-mental-health

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