Untersuchung zu Giftstoffbelastung in Papierfabrik in Dryden
Untersuchung der Belastung während Wartungsarbeiten
OHCOW (Occupational Health Clinics for Ontario Workers) hält am 8. Oktober 2026 eine Informationsveranstaltung in Thunder Bay, Ontario, Kanada, zur Belastung von Hunderten Bauarbeitern durch giftige Dämpfe in einer Papierfabrik in Dryden, Ontario, Kanada, ab. Die Belastung soll sich zwischen 2002 und 2004 während des Austauschs eines Rückgewinnungskessels (recovery boiler) in der Fabrik ereignet haben. Laut Andrew Zarnke, der bei OHCOW für Sonderprojekte und die Erforschung von Berufskrankheiten verantwortlich ist, standen die Arbeiter damals auf Gerüsten neben einer demontierten Ablaufrinne (flume) und kamen dabei mit unbehandeltem Fabrikabwasser in Kontakt. „Es gab große Besorgnis über die Belastung durch giftige Dämpfe“, sagt Zarnke. Ihm zufolge erlitten damals mehrere Arbeiter ernste gesundheitliche Beschwerden, einige wurden ohnmächtig und manche mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Das Arbeitsministerium wurde damals eingeschaltet.
Hunderte mögliche Ansprüche, Unterlagen verschwunden
OHCOW zufolge füllten damals mehr als 400 Arbeiter einen Fragebogen zur Belastung aus, und ein Betriebsarzt erkannte bei vielen gemeldeten Beschwerden ein Muster, das zu einer chronischen toxischen Enzephalopathie passt, einer Hirnschädigung durch Belastung mit Giftstoffen. 2004 soll OHCOW 134 Arbeitern dabei geholfen haben, einen offiziellen Berufskrankheitsantrag (Form 8) bei der Workplace Safety and Insurance Board (WSIB), dem ontarischen Arbeitsunfallversicherer, einzureichen. Als OHCOW diese Unterlagen 2021 – nach Vermittlung durch eine lokale Interessenvertretung verletzter Arbeiter – bei der WSIB anforderte, soll dort laut Angaben der Organisation keine Registrierung davon vorhanden gewesen sein. „Das war ein enormes Problem für diese Gruppe von Arbeitern“, so Zarnke. Ohne die ursprünglichen Antragsunterlagen, die in der Regel medizinische Daten, die Arbeitsgeschichte und Angaben zur Belastung enthalten, werde es laut Zarnke schwieriger, einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Projekt in Dryden und aktuellen Gesundheitsbeschwerden zu belegen. Eine frühere OHCOW-Untersuchung aus dem Jahr 2022 hatte dieselbe Belastung bereits dokumentiert und berichtet, dass aus der ursprünglichen Gruppe bereits Dutzende Arbeiter verstorben waren; ob diese Todesfälle mit der Belastung zusammenhängen, steht nicht fest.
Folgeuntersuchung läuft noch
OHCOW hat nach eigenen Angaben inzwischen eine Folgeliste von rund hundert Arbeitern zusammengestellt und bislang etwa dreißig Gesundheits- und Belastungsinterviews abgeschlossen; die Untersuchung muss noch klären, wie viele Ansprüche doch noch wiederhergestellt oder anerkannt werden können. Die Organisation hat außerdem beim ontarischen Umweltministerium einen Antrag auf Informationsfreiheit (freedom of information request) gestellt, um Proben- und Korrespondenzdaten zur Zusammensetzung der damals freigesetzten Dämpfe zu erhalten. Zarnke betont, dass OHCOW kein Urteil über Schuld oder Haftung fällt, sondern die Erfahrungen und den Gesundheitszustand der Arbeiter dokumentiert und ihnen hilft, diese gegebenenfalls als Berufsverletzung oder Berufskrankheit anerkennen zu lassen. Die Teilnahme an der Veranstaltung in Thunder Bay ist nicht verpflichtend; laut Zarnke können auch Arbeiter, die nicht anwesend sein können, sowie Familienangehörige aktueller oder ehemaliger Arbeiter die Klinik jederzeit kontaktieren.
Kontext
Bei der WSIB, dem ontarischen Arbeitsunfallversicherer, gilt nach eigenen Angaben keine Frist für die Einreichung eines Antrags wegen einer Berufskrankheit. Die WSIB weist dabei einen Entscheider zu, der auf Berufskrankheiten spezialisiert ist und Informationen von Arbeiter, Arbeitgeber und Gesundheitsdienstleistern prüft. Häufig muss ein medizinischer Facharzt die Erkrankung diagnostizieren. Dadurch kann ein Antrag auch lange nach einer Belastung noch eingereicht werden; ob ein kausaler Zusammenhang anerkannt wird, hängt von der Beurteilung des Einzelfalls ab.
Quelle: Dryden paper mill toxic exposure claims get fresh investigation, 5. Oktober 2026
Zusätzlich recherchiert: WSIB — Occupational disease

