Gewerkschaften am Centre hospitalier de l’Université Laval (CHUL) in Quebec City, Kanada, erklären, dass das Personal der psychiatrischen Notaufnahme seit fast zwei Jahren Gewalt durch Patienten ausgesetzt ist, nachdem im November 2024 eine spezialisierte Sicherheitsstelle gestrichen wurde. Das erklärten CSN-nahe Gewerkschaften auf einer Pressekonferenz am 23. Oktober 2026, berichtet Canadian Occupational Safety (thesafetymag.com).
Was sagen die Gewerkschaften?
Die Gewerkschaften verweisen auf mindestens zwei aktuelle Vorfälle. Laut Julie Tremblay, Vizepräsidentin für Arbeitsschutz bei einer regionalen CSN-Gesundheitsgewerkschaft, erlitt eine am 17. August verletzte Mitarbeiterin noch immer psychische und körperliche Folgen. Sie sagte, der Vorfall habe „Alarmglocken ausgelöst, die nicht ignoriert werden können“. Zwei Wochen vor der Pressekonferenz soll ein psychiatrischer Patient einen Pfleger geschlagen haben, berichtet Gewerkschaftsvertreter Frédéric Saint-Hilaire vom Syndicat des travailleuses et travailleurs du CHU de Québec. Die Pflegefachfrau Patsy Van Damme sagte dem Sender Noovo Info, sie sei während eines Einsatzes angegriffen worden, und das Personal verlasse sich auf Alarmknöpfe, die nur unregelmäßig funktionierten: „Ich habe noch nie jemanden gesehen, der diese Knöpfe kontrolliert.“ Xavier Isabelle, Präsident der Gewerkschaft SPTSSS-CSN, bringt die Risiken mit einem seiner Ansicht nach zu starken Fokus auf finanzielle Leistung im Gesundheitswesen in Verbindung. Guillaume Clavette vom Gesundheitsverband FSSS-CSN sagt, die Gespräche mit dem Krankenhaus seien ins Stocken geraten, und fordert, „die Regierung aufzuwecken, Santé Québec aufzuwecken“. Die Gewerkschaften fordern die Rückkehr spezialisierter Sicherheitskräfte und eine bessere Vorfallerfassung.
Wie reagiert das Krankenhaus?
Das CHU de Québec-Université Laval und die regionale Gesundheitsbehörde Santé Québec Capitale-Nationale teilen in einer gemeinsamen Erklärung mit, dass eine gemeinsame Risikoanalyse laufe. Sie verweisen auf tragbare Alarmknöpfe, Kameras und verschärfte Protokolle, die bereits eingeführt wurden. Laut der Einrichtung sind Sicherheitskräfte keinen bestimmten Abteilungen zugewiesen, sondern führen feste Rundgänge durch das gesamte Krankenhaus durch. Zudem ist ein provinzieller Sicherheitsbericht zur Abteilung geplant.
Gewalt im Gesundheitssektor von Québec
Zahlen der Quebecer Arbeitsschutzbehörde CNESST für 2024, die im Quellartikel zitiert werden, zeigen, dass arbeitsbedingte Gewalt den Gesundheitssektor der Provinz stark trifft: Von 5.395 anerkannten Verletzungen durch Gewalt am Arbeitsplatz entfielen 47,4 % auf den Gesundheits- und Sozialsektor, und in 40,2 % aller Fälle ging die Gewalt von Patienten oder Bewohnern von Pflegeeinrichtungen aus. Die Zahl der Gewaltverletzungen in der Provinz stieg seit 2020 um 79,4 %. Seit Oktober 2021 verpflichtet Artikel 51 des Quebecer Arbeitsschutzgesetzes Arbeitgeber, Maßnahmen gegen physische und psychische Gewalt am Arbeitsplatz zu treffen.
Kontext
Gewalt gegen Beschäftigte im Gesundheitswesen ist kein spezifisch kanadisches oder Quebecer Problem. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erleben weltweit zwischen 8 % und 38 % der Beschäftigten im Gesundheitswesen irgendwann in ihrer Laufbahn körperliche Gewalt am Arbeitsplatz, wobei Pflegekräfte, anderes Personal in der direkten Patientenversorgung, Notaufnahme- und Rettungsdienstpersonal das größte Risiko tragen. Laut WHO sind meist Patienten und Besucher die Täter.
Die Diskussion in Quebec City berührt eine Frage, mit der HSE-Fachleute in Gesundheitseinrichtungen weltweit konfrontiert sind: wie Sicherheit, Alarmsysteme und Vorfallerfassung in Notfall- und psychiatrischen Abteilungen organisiert werden und wie Arbeitgeber und Personalvertretungen die damit verbundenen Risiken bewerten.
Quelle: Quebec City hospital unions say security cut exposes psychiatric ER workers to violence, 26. Oktober 2026
Zusätzlich recherchiert: WHO – Preventing violence against health workers

