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Hitzestress am Arbeitsplatz: EU-Gewerkschaften fordern Regeln

Grelle Sonne in einem strahlend blauen Himmel während einer Hitzewelle
SymbolbildJeffrey Eisen — Unsplash (bright sun summer sky)

Hitzestress am Arbeitsplatz: EU-Gewerkschaften fordern Regeln

Der Klimawandel sorgt dafür, dass extreme Hitzewellen in Europa immer häufiger auftreten, und der Druck auf Arbeitgeber, Beschäftigte vor Hitze zu schützen, wächst. Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) fordert von der Europäischen Union eine verbindliche Richtlinie, die speziell auf Hitzerisiken am Arbeitsplatz eingeht, da eine allgemeine EU-Regelung für maximale Arbeitstemperaturen bislang fehlt.

Was fordert die europäische Gewerkschaftsbewegung?

In einer Resolution, die der Exekutivausschuss am 4. und 5. März 2025 verabschiedete, fordert der EGB eine europäische Richtlinie, die sich gezielt mit der Prävention von Hitzerisiken am Arbeitsplatz befasst. Die Gewerkschaftsbewegung will verbindliche maximale Arbeitstemperaturen, abgestimmt auf Branche, Art der Tätigkeit und die Frage, ob drinnen oder draußen gearbeitet wird. Arbeitgeber sollen verpflichtet werden, Risikobewertungen anhand von Indikatoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Schatten und Luftzirkulation durchzuführen, wobei der Wet Bulb Globe Temperature (WBGT)-Index als Referenz dient. Bei extremer Hitze soll die Arbeit unterbrochen werden können, ohne dass Beschäftigte dadurch Nachteile erleiden; der EGB spricht sich zudem für einen Lohnausgleich während solcher Unterbrechungen aus, auch wenn dieser nach Ansicht der Gewerkschaft nicht zwingend in eine Sicherheitsrichtlinie gehört. Darüber hinaus fordert die Gewerkschaftsbewegung eine strengere Durchsetzung durch Arbeitsinspektionen, einen erweiterten rechtlichen Geltungsbereich, der auch Hausangestellte einschließt, sowie EU-weite Statistiken zu hitzebedingten Erkrankungen und Todesfällen, die derzeit weitgehend fehlen.

Welche Maßnahmen stehen im Mittelpunkt?

Neben Temperaturgrenzwerten nennt die Resolution konkrete Maßnahmen, die Arbeitgeber schon jetzt umsetzen können: Schattenplätze, Klimaanlagen, ausreichend Trinkwasser und sanitäre Einrichtungen, Abkühlungspausen, angepasste Arbeitszeiten und Akklimatisierungsprogramme für neue Beschäftigte. Die Resolution erwähnt zudem die Möglichkeit für Beschäftigte, ihr eigenes Arbeitstempo an heißen Tagen anzupassen, und weist darauf hin, dass auch Arbeitswege und Telearbeit bei extremer Hitze Aufmerksamkeit verdienen. Persönliche Schutzausrüstung, etwa Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor, wird als letztes Mittel betrachtet und nicht als Ersatz für organisatorische Maßnahmen. Die Gewerkschaftsbewegung fordert besondere Aufmerksamkeit für gefährdete Gruppen, darunter schwangere Beschäftigte, ältere Arbeitnehmer, Menschen mit gesundheitlichen Problemen, Migranten, Saisonarbeiter und Beschäftigte mit prekären Verträgen. Zudem spricht sich der EGB für gezielte medizinische Untersuchungen, Schulungen zum Erkennen früher Anzeichen hitzebedingter Erkrankungen sowie eine engere Zusammenarbeit mit Betriebsärzten und Gewerkschaftsvertretern bei der Nachverfolgung gesundheitlicher Beschwerden aus.

Wie ist Hitzestress derzeit in Europa geregelt?

Auf EU-Ebene gibt es keine feste Höchsttemperatur, ab der die Arbeit eingestellt werden muss. Die europäische Rahmenrichtlinie zu Sicherheit und Gesundheit verpflichtet Arbeitgeber jedoch, Risiken zu bewerten, einschließlich jener durch extreme Hitze, und geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Die nationalen Regelungen unterscheiden sich stark: Einige Mitgliedstaaten, wie Belgien, wenden WBGT-Grenzwerte an, ab denen Arbeitgeber zum Handeln verpflichtet sind, während andere Länder keine festen Temperaturgrenzen kennen. Ohne eine europäische Richtlinie bleibt der Umgang mit Hitzestress daher weitgehend von nationalen Gesetzen und freiwilligen Maßnahmen einzelner Unternehmen abhängig.

Hintergrund

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) veröffentlichte im Juli 2024 den Bericht „Heat at work: implications for safety and health“. Darin heißt es, dass 2020 weltweit 71 Prozent der Erwerbsbevölkerung übermäßiger Hitze am Arbeitsplatz ausgesetzt waren, ein Anstieg von 8,8 Prozent gegenüber dem Jahr 2000. In Europa und Zentralasien nahm diese Belastung am stärksten zu. Laut dem Bericht wurden 2020 weltweit 22,8 Millionen Arbeitsunfälle auf Hitzeeinwirkung zurückgeführt. Diese Zahlen erklären, warum Gewerkschaften und Arbeitsschutzorganisationen weltweit, nicht nur in Europa, auf einen stärkeren Schutz gegen Hitzestress am Arbeitsplatz drängen.

Quelle: Cambiamenti climatici e rischio calore: come proteggere i lavoratori, 8. Oktober 2026

Zusätzlich recherchiert: EGB-Resolution zu einer EU-Richtlinie zur Prävention von Hitzerisiken am Arbeitsplatz, ILO-Bericht zu Hitzestress am Arbeitsplatz

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