Was soll die neue Allianz konkret erreichen?
Die US-Arbeitsschutzbehörde OSHA (Occupational Safety and Health Administration) hat eine neue Zusammenarbeit unter dem Namen National Serious Injury and Fatality Prevention Alliance gegründet. Die Allianz soll Arbeitgebern helfen, die Gefahren zu erkennen, die das größte Risiko für schwere Verletzungen und Todesfälle bergen, kurz SIFs (serious injuries and fatalities) genannt. Dazu will die Allianz Forschungsergebnisse teilen und Arbeitgebern, Arbeitnehmern und anderen Beteiligten Orientierung und Schulungen anbieten, um solche Gefahren zu erkennen und zu beseitigen.
Konkret wird die Allianz Informationen zu OSHA-Initiativen, Vorschriften sowie den Rechten und Pflichten von Arbeitgebern und Arbeitnehmern teilen. Zudem entwickeln die Partner gemeinsam Aufklärungsmaterial zum Erkennen und Verhindern von SIFs, das in mehreren Sprachen und Formaten verfügbar sein wird. Die Zusammenarbeit umfasst außerdem die Teilnahme an Konferenzen, Workshops und Webinaren, technische Briefings für OSHA-Mitarbeiter, Verantwortliche der State Plans und Beratungspersonal sowie gemeinsame Schulungen und Aufklärung für Arbeitgeber, Arbeitnehmer und die breite Öffentlichkeit.
Wer steckt hinter der Allianz?
Neben der OSHA sind die American Industrial Hygiene Association (AIHA), die American Society of Safety Professionals (ASSP), der National Safety Council (NSC) und die Construction Safety Research Alliance (CSRA) der University of Colorado Boulder in Boulder, USA, an der Allianz beteiligt. Lorraine Martin, CEO des National Safety Council, sagte zu der Zusammenarbeit: „Seit mehr als einem halben Jahrhundert arbeiten der National Safety Council und die OSHA zusammen, um Verletzungen zu verhindern und Leben zu retten.“ Das Verhindern schwerer Vorfälle und Todesfälle erfordere laut Martin „eine bewusste Konzentration auf die Gefahren mit der größten Schadenswahrscheinlichkeit“. Die Allianz solle Arbeitgebern dabei helfen, Wissen in konkretes Handeln umzusetzen.
Context
Das SIF-Konzept, das im Zentrum der Allianz steht, beschreibt der National Safety Council in einer Hintergrundpublikation als Ereignisse, die ein Leben grundlegend verändern oder beenden und die in jeder Branche und bei jedem Beschäftigten auftreten können. Beinaheunfälle oder weniger schwere Vorfälle, die unter leicht anderen Umständen zu einem SIF hätten führen können, werden als pSIFs (potential SIFs) bezeichnet. Laut derselben Publikation starben 1970, im Jahr der Unterzeichnung des föderalen Arbeitsschutzgesetzes, jährlich rund 14.000 Beschäftigte in den USA; im ersten Jahrzehnt der OSHA sank die Sterblichkeitsrate um etwa 40 Prozent. Neuere Zahlen aus derselben Publikation zeigen wieder einen Anstieg: von 4.821 tödlichen Arbeitsunfällen im Jahr 2014 (3,4 pro 100.000 Beschäftigte) auf 5.190 im Jahr 2022 (3,7 pro 100.000) und vorläufig 5.283 im Jahr 2023.
Was bedeutet das für HSE-Fachleute weltweit?
Obwohl die Allianz eine US-Initiative ist, lässt sich der zugrunde liegende Gedanke breiter anwenden: Nicht jeder registrierte Vorfall wiegt gleich schwer, und eine Organisation mit wenigen leichten Verletzungen kann laut NSC trotzdem ein hohes SIF-Risiko aufweisen. Für HSE-Fachleute andernorts ist dies ein Anstoß, bei Risikobeurteilungen und Vorfalluntersuchungen expliziter auf das Schwerepotenzial einer Gefahr zu achten, statt sich nur auf den Ausgang des letzten Vorfalls zu stützen. Das Material, das die Allianz in der kommenden Zeit entwickelt, kann dabei als Referenz dienen, auch außerhalb der Vereinigten Staaten, wobei es je nach Land und Branche an die lokale Gesetzgebung und Praxis angepasst werden muss.
Quelle: New SIF Prevention Alliance to Help Employers Identify High-risk Hazards, Prevent Serious Incidents and Fatalities, 9. Oktober 2026
Zusätzlich recherchiert: NSC Thought Leadership: Understanding SIFs: Why they matter to everyone, National Safety Council / Safety+Health Magazine

