Eine europäische Testkampagne zu persönlicher Schutzausrüstung (PSA) hat erneut offengelegt, wie brüchig die Konformität weit verbreiteter Sicherheitsausrüstung sein kann. Von den getesteten Sicherheitsschuhen erfüllten 82 Prozent nicht die geltende Norm, während bei Schutzhelmen 19 von 65 getesteten Modellen — mehr als 29 Prozent — durchfielen. Die Ergebnisse wurden Ende September 2026 veröffentlicht und berühren unmittelbar die Frage, welchen Wert Marktüberwachung und CE-Kennzeichnung in der Praxis für Arbeitgeber und Beschäftigte noch haben, die sich auf diese Ausrüstung verlassen.
Hintergrund
Die europäische PSA-Verordnung 2016/425 regelt seit 2018, welche Anforderungen für persönliche Schutzausrüstung gelten, die auf dem EU-Markt in Verkehr gebracht wird. Hersteller müssen nachweisen, dass ihr Produkt die relevanten harmonisierten Normen erfüllt, bevor es eine CE-Kennzeichnung erhält, und für Schutzausrüstung gegen ernste Risiken — wie Sicherheitsschuhe und -helme — ist zudem die Einbindung einer notifizierten Stelle (notified body) vorgeschrieben. Die Verordnung legt die Verantwortung für die Konformität primär beim Hersteller, doch nationale Marktüberwachungsbehörden prüfen anhand von Stichproben, ob Produkte dieses Versprechen auch einhalten.
Was die JACOP-Kampagne offenlegte
Die Tests wurden im Rahmen von JACOP (Joint Actions on Conformity of Products) durchgeführt, einer koordinierten Aktion der Europäischen Kommission gemeinsam mit nationalen Marktüberwachungsbehörden mehrerer Mitgliedstaaten. Für Sicherheitsschuhe wurden Produkte in Zypern, Deutschland, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen, Portugal, Spanien und Schweden getestet. Laut der Hauptquelle actuEL-HSE lag es dabei vor allem an drei Punkten: unzureichende Stoßfestigkeit, unzureichende Beständigkeit gegen Schnitte und Durchstiche sowie unzureichende antistatische Eigenschaften — allesamt Eigenschaften, die in Industrie- und Baustellenumgebungen unmittelbar den Unterschied zwischen einer Schürfwunde und einer schweren Verletzung ausmachen können.
Bei Schutzhelmen lief die Kampagne in Belgien, Zypern, Deutschland, Griechenland, Irland, den Niederlanden, Spanien und Schweden. Von den 65 untersuchten Helmmodellen erfüllten 19 die Norm nicht, eine Nichtkonformitätsquote von rund 29 Prozent. Das ist deutlich niedriger als bei den Schuhen, aber immer noch ein erheblicher Anteil einer Produktkategorie, die buchstäblich den Kopf schützen soll.
Was das für die Praxis bedeutet
Für HSE-Fachleute ist das Ergebnis ein Ansporn, Lieferanten und Produktdokumentation weiterhin kritisch zu prüfen — auch wenn ein Produkt eine CE-Kennzeichnung trägt. Die Kampagne bestätigt ein Muster, auf das Marktüberwachungsbehörden schon länger hinweisen: Eine Zertifizierung bei Markteinführung garantiert nicht, dass ein Produkt Jahre später oder bei einer anderen Charge derselben Produktlinie noch der Norm entspricht. Konkrete Rückrufaktionen oder Sanktionen infolge dieser spezifischen Kampagne sind bislang nicht im Detail bestätigt; zudem besteht eine kleine Unklarheit bei der genauen Bezeichnung, da eine luxemburgische Quelle von „JACOP 2025“ spricht, während die Ergebnisse erst im September 2026 veröffentlicht wurden. Branchenverbände empfehlen, beim Einkauf kritischer PSA nach Möglichkeit Prüfzertifikate direkt bei notifizierten Stellen anzufordern.
Zusätzlich geprüfte Quellen: Batirama, Batiweb
Quelle: EPI : 82 % des chaussures de sécurité testées non conformes selon une campagne européenne, 24. September 2026

