Hundert zusätzliche Inspektoren nach alarmierendem Personalmangel
Die kanadische Bundesregierung wird hundert neue Arbeitsinspektoren einstellen, um die Sicherheit von Beschäftigten in bundesrechtlich regulierten Branchen zu überwachen. Die Aufstockung ist Teil von Bill C-39, dem Building Canada Strong Act, der am 21. September 2026 eingebracht wurde. Die hundert neuen Health and Safety Officers bedeuten eine Steigerung der derzeitigen föderalen Inspektionskapazität um rund 70 Prozent.
Anlass für die Maßnahme ist ein interner Evaluierungsbericht von Employment and Social Development Canada (ESDC), der im August 2026 veröffentlicht wurde. Demnach stehen derzeit nur etwa neunzig aktive Arbeitsinspektoren und leitende Ermittler zur Verfügung, um Teil II des Canada Labour Code durchzusetzen. Sie sind auf sechzehn Büros in fünf Regionen verteilt und müssen rund 1,4 Millionen Beschäftigte bei knapp 19.600 bundesrechtlich regulierten Arbeitgebern beaufsichtigen.
Unzureichende Abdeckung in abgelegenen Gebieten
Für den Evaluierungsbericht wurden 29 Beamte sowie Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter befragt. Die meisten nannten unzureichende Personalausstattung, geografische Abdeckungslücken und begrenzte Schulungsmöglichkeiten als Hauptgründe, die proaktive Inspektionen erschweren, insbesondere in abgelegenen Regionen. Der Kapazitätsmangel fällt mit einem Anstieg tödlicher Arbeitsunfälle an bundesrechtlich regulierten Arbeitsplätzen zusammen: von 44 im Jahr 2021 auf 71 im Jahr 2023.
Arbeitsministerin Patty Hajdu betonte die Bedeutung der Maßnahme: „Starke Arbeitsbeziehungen sind entscheidend für den Erfolg kanadischer Beschäftigter, Unternehmen und unserer Wirtschaft.“
Umfassendere Reform der Arbeitsbeziehungen
Neben den neuen Inspektoren enthält Bill C-39 auch Änderungen am Canada Labour Code, die Tarifverhandlungen beschleunigen sollen, sowie 26 neue Stellen beim Canada Industrial Relations Board, um einen wachsenden Rückstau an Beschwerden abzubauen. Zusätzliche Inspektoren sollen zudem gezielt gegen die Falscheinstufung von Beschäftigten vorgehen, bei der Arbeitnehmer fälschlicherweise als Selbstständige eingestuft werden.
Derrick Hynes, CEO des Arbeitgeberverbands FETCO, der bundesrechtlich regulierte Branchen vertritt, forderte die Regierung auf, transparent zu machen, wie die neuen Inspektoren eingesetzt werden. Er verwies insbesondere auf die Speditionsbranche, in der das sogenannte „Driver Inc.“-Modell Fahrer als Selbstständige einstuft, um Arbeitsnormen zu umgehen.
Ein Zeitplan oder Budget für die Aufstockung wurde noch nicht bekanntgegeben. Der Gesetzentwurf muss zunächst den Ausschuss durchlaufen und anschließend sowohl im Unterhaus als auch im Senat zur Abstimmung, bevor er in Kraft treten kann.
Einordnung
Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) empfiehlt als Richtwert etwa einen Arbeitsinspektor pro 10.000 bis 15.000 Beschäftigte in Industrieländern. Mit neunzig Inspektoren für 1,4 Millionen Beschäftigte lag die föderale Quote in Kanada bislang weit unter diesem Standard, bestenfalls bei etwa einem Inspektor pro 15.500 Beschäftigte. Selbst mit hundert zusätzlichen Inspektoren wird die Quote die untere Grenze des ILO-Richtwerts nur knapp überschreiten, was das Ausmaß des zuvor festgestellten Mangels unterstreicht. Zusätzliche Quelle: ilo.org.
Quelle: Feds to hire 100 new health and safety officers under Bill C-39, 24. September 2026

