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ASSP: KI-Adoption im Arbeitsschutz wächst schnell

Nahaufnahme eines Serverracks mit grünem Licht und Verkabelung in einem Rechenzentrum
SymbolbildFoto: Tyler / Unsplash

Erkundungsphase, aber mit deutlicher Beschleunigung

Fast 1.000 Sicherheitsfachleute nahmen zwischen dem 6. Juli und dem 2. August 2026 an einer Umfrage der American Society of Safety Professionals (ASSP) teil, einer Berufs- und Branchenorganisation mit Sitz in Park Ridge (Illinois, USA), die selbst auch Schulungen und Zertifizierungen anbietet. Die Ergebnisse sind im Bericht „Trust, Ethics and Governance: How Safety Leaders Are Thinking About and Using AI“ veröffentlicht. Laut ASSP befinden sich 86 Prozent der Befragten in einer Erkundungs- oder Transformationsphase einer KI-Strategie für die Arbeitssicherheit, und zwei Drittel davon haben erst in den vergangenen zwei Jahren damit begonnen. Organisationen setzen KI vor allem für Berichterstattung, Schulung, Vorfallanalyse, prädiktive Analysen, automatisierte Compliance und Echtzeitüberwachung ein, meldet die Fachzeitschrift ISHN. Damit verschiebt sich KI aus Sicht der ASSP von einem experimentellen Hilfsmittel zu einem festen Bestandteil der täglichen Sicherheitsarbeit, wobei die Organisation betont, dass die meisten Teilnehmer noch mitten im Ausprobieren und Skalieren stecken.

Kultur und Datenqualität als entscheidende Faktoren

Als wichtigste Hürden nennen die Befragten eine geringe oder gerade erst beginnende Investition in Ressourcen (74 Prozent), Datenqualität (62 Prozent), fehlende Eigentümerschaft oder Priorität (59 Prozent), Misstrauen oder mangelndes Vertrauen (55 Prozent) sowie Bedenken hinsichtlich Datenschutz, Sicherheit oder Verzerrungen (ebenfalls 55 Prozent). Laut ASSP sind Organisationskultur, die der KI beigemessene Bedeutung und weniger ethische Einwände starke Prädiktoren für die KI-Einführung; Schulung hängt dem Bericht zufolge mit mehr Wissen und Vertrauen zusammen. ASSP-Präsidentin Monique Parker betont im Artikel vor allem die Bedeutung menschlicher Aufsicht bei KI-Anwendungen.

Einschränkung: Es handelt sich nicht um eine unabhängige Untersuchung. Sie wurde von der ASSP durchgeführt und von der eigenen ASSP Foundation finanziert; die Organisation bietet selbst Schulungen und Zertifizierungsprogramme in diesem Bereich an. Die Zahlen beruhen also auf der Selbsteinschätzung der eigenen Mitgliedschaft, Rekrutierungsmethode und Rücklaufquote werden nicht erläutert, und die angeführte „Beschleunigung“ wird nicht durch historische Vergleichszahlen belegt. Die Ergebnisse sagen vor allem etwas darüber aus, wie diese bestimmte Gruppe von Fachleuten selbst über KI denkt, nicht notwendigerweise über die gesamte Branche.

Kontext

Unabhängige Forschung relativiert dieses enthusiastische Bild. Das National Institute for Occupational Safety and Health (NIOSH) in Washington (USA), Teil der föderalen Gesundheitsbehörde CDC, forscht über seine Future of Work Initiative selbst zu den Risiken von KI am Arbeitsplatz und weist auf Unsicherheiten bei Aufsicht, Haftung und der Qualität von Trainingsdaten hin. Eine australische Studie von Cebulla, Szpak und Knight (2023) im International Journal of Workplace Health Management, die auf Interviews mit Experten, Organisationen und Arbeitsinspektoren beruht, beschreibt psychosoziale Risiken, Arbeitsstress, Datenschutzrisiken und Risiken für die Geschäftskontinuität bei der Einführung von KI. Laut den Autoren können diese Risiken während des gesamten Lebenszyklus eines KI-Systems wieder auftreten; sie fordern eine systematische Risikobewertung in jeder Phase der Einführung. Diese unabhängige Sichtweise wirft Fragen zu Governance und Datenzuverlässigkeit auf, die der ASSP-Bericht selbst nicht ausräumt. Für EHS-Abteilungen, die KI-Tools in Betracht ziehen, ist das mindestens genauso relevant wie die Adoptionszahlen.

Quelle: ISHN, „New Research Finds AI Adoption Accelerating in Workplace Safety“ (15-10-2026).
Zusätzlich herangezogen: die Future of Work Initiative des NIOSH (CDC) und akademische Forschung im International Journal of Workplace Health Management zu WHS-Risiken von KI am Arbeitsplatz.

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