Ein britisches Fischereiunternehmen wurde vom Gericht zu einer Geldstrafe verurteilt, nachdem ein 20-jähriger Auszubildender zum Schiffsmechaniker im Maschinenraum eines Fischkutters ums Leben gekommen war. Eine Untersuchung der britischen Health and Safety Executive (HSE) ergab Mängel bei der Koordinierung von Arbeiten, die mehrere Fremdfirmen gleichzeitig in einem engen, geschlossenen Raum ausführten.
Der Vorfall
Am 15. November 2019 starb der 20-jährige Auszubildende im Maschinenraum des Fischkutters Resurgam, der im Hafen von Newlyn, Cornwall, Vereinigtes Königreich, vertäut war. Er arbeitete dort gemeinsam mit drei weiteren Personen, während eine externe Firma eine Feuerlöschanlage installierte. Während der Arbeiten löste diese Anlage unerwartet aus, worauf sich der enge, geschlossene Raum mit heißen, giftigen Gasen füllte. Das Opfer wurde durch Kohlenmonoxid bewusstlos und konnte nicht mehr rechtzeitig entkommen; der Maschinenraum hatte nur einen Zugang, über eine Leiter und eine Luke. Kollegen versuchten, ihn zu retten, konnten ihn aber nicht erreichen. Die Feuerwehr von Cornwall holte ihn schließlich aus dem Raum, doch Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos.
Ergebnisse
Die HSE brachte den Fall vor das Truro Crown Court, wo Eigentümer und Betreiber W. Stevenson & Sons Ltd am 15. Oktober 2026 zwei Verstöße gegen Abschnitt 2(1) und 3(1) des Health and Safety at Work etc. Act 1974 eingestand. Das Gericht verhängte eine Geldstrafe von 100.000 £ sowie 27.906 £ Verfahrenskosten gegen das Unternehmen. Der Untersuchung zufolge hatte das Unternehmen das Risiko, dass mehrere Fremdfirmen gleichzeitig im engen Maschinenraum arbeiteten, nicht angemessen bewertet. Es gab kein sicheres Arbeitssystem für die Installation der Feuerlöschanlage, keinen wirksamen Notfallplan und kein Erlaubnisscheinsystem (permit-to-work), um die Arbeiten der verschiedenen Parteien untereinander zu koordinieren. Ein HSE-Inspektor betonte, dass das Unternehmen nicht für das unerwartete Auslösen der Anlage verantwortlich war, wohl aber für das Fehlen der Koordinierung und dafür, im Voraus keine schnelle Rettung und medizinische Hilfe für einen Notfall in dem Raum vorgesehen zu haben.
Empfehlungen
Der Fall zeigt, dass Arbeitgeber, die mehrere Fremdfirmen gleichzeitig in einem geschlossenen Raum wie einem Maschinenraum arbeiten lassen, dieses Risiko vorab bewerten und dabei ein sicheres Arbeitssystem festlegen müssen. Die HSE weist auf die Bedeutung eines schriftlichen, abgestimmten Plans hin, etwa über ein Erlaubnisscheinsystem, in dem Verantwortlichkeiten, gemeinsame Risiken und Notfallverfahren zwischen allen beteiligten Parteien festgelegt sind. Außerdem muss im Voraus geregelt sein, wie Beschäftigte bei einem Vorfall schnell gerettet werden können und Zugang zu medizinischer Hilfe erhalten. Die HSE verweist dabei auf den Safety in Docks Approved Code of Practice (L148), der beschreibt, wie Hafenbetreiber, Arbeitgeber und Fremdfirmen ihre Pflichten nach dem Health and Safety at Work etc. Act 1974 erfüllen können, wenn mehrere Parteien am selben Ort arbeiten.
Hintergrund
Arbeiten in geschlossenen Räumen bleiben weltweit eines der größten Berufsrisiken an Bord von Schiffen. Nach einer Umfrage von InterManager, auf die 5.000 Seeleute antworteten, startete die Human Element Industry Group (HEIG) eine Untersuchung zu Vorfällen in geschlossenen Räumen in der Schifffahrt. Den im Dezember 2021 veröffentlichten ersten Ergebnissen zufolge halten solche Vorfälle an, und bestehende Verfahren sind oft zu komplex und berücksichtigen zu wenig die Ressourcen und die Zeit, die tatsächlich an Bord verfügbar sind. Auch kommerzieller Zeitdruck spielt dieser Untersuchung zufolge eine Rolle, ebenso wie begrenzte Schulung außerhalb der Tankschifffahrt. Dieses Bild deckt sich mit dem Fall in Newlyn, bei dem vor allem das Fehlen von Koordinierung zwischen mehreren Parteien und eines Notfallplans im Mittelpunkt stand.
Für HSE-Fachleute weltweit unterstreicht dieser Fall, dass die Risiken steigen, sobald mehrere Fremdfirmen gleichzeitig in einem geschlossenen Raum arbeiten: Jede Partei kann ihre eigene Aufgabe noch so sorgfältig beherrschen, doch ohne Abstimmung behält niemand automatisch den Überblick über das Gesamtbild. Ob es sich um einen Maschinenraum auf einem Fischkutter, einen Tank in einer Raffinerie oder einen Keller auf einer Baustelle handelt: Ohne einen gemeinsamen, schriftlich festgelegten Arbeits- und Notfallplan bleibt die Gefahr eines tödlichen Zusammentreffens von Umständen bestehen, selbst wenn jede Fremdfirma ihre eigenen Arbeiten für sich genommen sicher ausführt.
Quelle: Fishing fleet company fined following engine room fatality, HSE-Pressemitteilung, 16. Oktober 2026
Zusätzlich herangezogen: InterManager / Human Element Industry Group, erste Ergebnisse der Untersuchung zu tödlichen Unfällen in geschlossenen Räumen an Bord von Schiffen (Dezember 2021); HSE, Safety in Docks Approved Code of Practice (L148).

