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Waldbrände werden neues Risiko für französische ICPE-Betriebe

Industrieanlage mit rauchendem Schornstein neben einem Waldgebiet
SymbolbildFoto: Timofey Radkevich / Unsplash

Waldbrände gelten in Frankreich zunehmend als Bedrohung für Industriestandorte – auch außerhalb der traditionell gefährdeten südlichen Regionen. Betreiber genehmigungspflichtiger Industrieanlagen sind jedoch noch nicht verpflichtet, dieses Risiko in ihre Gefahrenanalysen oder Notfallpläne aufzunehmen, obwohl die möglichen Folgen für die Anlagensicherheit erheblich sein können.

Vom regionalen Problem zum landesweiten Thema

Bis vor Kurzem wurde das Waldbrandrisiko vor allem einer begrenzten Zahl geografisch gefährdeter Zonen zugeschrieben, insbesondere im mediterranen Süden Frankreichs. Durch die Klimaerwärmung verschiebt sich dieses Bild: längere Trockenperioden und ausgetrocknete Vegetation führen dazu, dass auch bislang kaum betroffene Gebiete nun einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind. Für Industriestandorte in der Nähe von Wald- oder Naturgebieten bedeutet das, dass ein lange als marginal geltendes Risiko plötzlich betrieblich relevant werden kann.

Keine Pflicht in Gefahrenanalyse oder Notfallplan

Unternehmen, die in Frankreich unter das ICPE-Regime fallen (Installations Classées pour la Protection de l’Environnement) – genehmigungspflichtige Industrieanlagen, vergleichbar mit störfallrelevanten Betrieben andernorts – müssen eine Gefahrenanalyse („étude de dangers“) erstellen und für die Standorte mit dem höchsten Risiko einen betrieblichen Notfallplan („Plan d’Opération Interne“, POI) vorhalten. Beide Instrumente erfassen die wichtigsten Unfallszenarien wie Brand, Explosion oder die Freisetzung gefährlicher Stoffe. Das Risiko, dass ein von außen kommender Waldbrand einen Standort erreicht und die Anlage selbst gefährdet, ist jedoch kein verpflichtender Bestandteil dieser Analysen. Dadurch kann ein durchaus reales Szenario – Flammen oder Funkenflug, die ein Gelände mit Gefahrstoffen erreichen – außerhalb des formalen Risikomanagements bleiben. Actuel-HSE bezeichnet das Risiko für manche Standorte sogar als „existenziell“.

Was das für HSE-Fachkräfte bedeutet

Für Sicherheitsverantwortliche an Industriestandorten in brandgefährdeten Gebieten lautet die Botschaft: Die gesetzlichen Vorgaben hinken der tatsächlichen Risikoentwicklung hinterher. Solange das Waldbrandrisiko kein fester Bestandteil der Gefahrenanalyse oder des betrieblichen Notfallplans ist, liegt es am Betreiber selbst, dieses Risiko zu bewerten. Das spricht für ein proaktives Vorgehen: die Einbeziehung der Waldbrandgefährdung in die reguläre Risikobewertung, auch wenn dies (noch) nicht gesetzlich vorgeschrieben ist.

Kontext

Das Waldbrandrisiko in Frankreich ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen: Bereits im April 2026 waren 52 der gut 100 französischen Departements – fast die Hälfte des Landes – als Gebiet mit erhöhtem Waldbrandrisiko eingestuft. Bis zum 21. Juli 2026 gingen bereits mindestens 44.000 Hektar Wald- und Naturfläche verloren; Mitte Juli war die verbrannte Fläche bereits doppelt so groß wie im gleichen Zeitraum 2025, mit großen Bränden unter anderem in den französischen Departements Pyrénées-Orientales, Drôme und Gironde. Laut der französischen staatlichen Stelle für Klimaanpassung könnte sich die Zahl der Tage mit erhöhtem Brandrisiko bei einer Erwärmung um 2,7 °C bis 2050 verdoppeln.

Quelle: Feux de forêt : un risque émergent mais vital pour les ICPE, 25. September 2026

Zusätzlich recherchiert: Forestry France – Feux de forêt : pourquoi le risque incendie gagne tout le territoire français

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