Freitag, 16. Oktober 2026Zuverlässige Nachrichten zu Sicherheit, Gesundheit und Umwelt
NachrichtenSonstiges

Mehr Prävention, weniger Arbeitsunfälle in Frankreich

Blau-weißes Fluchtweg- und Notausgangsschild an einer Wand
Symbolbild

Arbeitsunfälle gehen in Unternehmen, die neue Präventionsmaßnahmen einführen, stärker zurück. Das zeigt eine Analyse der französischen Statistikbehörde Dares (Direction de l’animation de la recherche, des études et des statistiques), einer Abteilung des französischen Arbeitsministeriums. Auffällig ist, dass vor allem kleine Unternehmen davon profitieren und dass persönliche Schutzausrüstung (PSA, in Frankreich als EPI, équipements de protection individuelle, bezeichnet) — in der Präventionshierarchie eigentlich die unterste Stufe — mit dem stärksten Rückgang der Unfälle zusammenhängt. Die Befunde sind auch außerhalb Frankreichs relevant: Dieselbe Präventionshierarchie, in der Maßnahmen an der Quelle Vorrang vor Schutzausrüstung haben, liegt auch EU-Arbeitsschutzrichtlinien zugrunde.

Kleinere Unternehmen verzeichnen die größten Erfolge

Laut Dares zeigt sich der Rückgang der Unfallquote — der Zahl der Arbeitsunfälle in einem bestimmten Zeitraum — am deutlichsten in kleinen Betrieben. Das ist bemerkenswert, denn frühere Dares-Untersuchungen zum Präventionsverhalten von Arbeitgebern hatten bereits gezeigt, dass kleinere Unternehmen in der Regel langsamer Präventionsmaßnahmen einführen als große Organisationen. Wenn sie es doch tun, scheint der Effekt auf die Unfallzahlen verhältnismäßig größer zu sein als bei Unternehmen, deren Präventionspolitik bereits weiter entwickelt war.

Schutzausrüstung, Risikobewertung und Mitbestimmung

Der stärkste Zusammenhang mit einem Rückgang der Unfälle zeigt sich bei der Einführung neuer persönlicher Schutzausrüstung (PSA/EPI). Das ist bemerkenswert, da PSA in der internationalen Präventionshierarchie als letzte Verteidigungslinie gilt — erst einzusetzen, nachdem Risiken an der Quelle angegangen wurden. Dennoch geht die Anschaffung neuer PSA in den Dares-Zahlen mit der größten Verbesserung einher, möglicherweise weil PSA sich verhältnismäßig schnell und sichtbar einführen lässt, während strukturelle Anpassungen an Arbeitsprozessen mehr Zeit und Investitionen erfordern, bevor sich der Effekt in den Unfallzahlen zeigt.

Darüber hinaus nennt Dares drei weitere Faktoren, die zu weniger Unfällen beitragen: Maßnahmen gegen Stress und Unwohlsein am Arbeitsplatz, ein aktualisiertes DUERP (document unique d’évaluation des risques professionnels, das Dokument, in dem französische Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet sind, alle Berufsrisiken zu erfassen und aktuell zu halten), sowie das Vorhandensein einer Personalvertretung. Die letzten beiden Faktoren kamen auch in früheren Dares-Untersuchungen zum Vorschein: Unternehmen mit Personalvertretung setzen häufiger Präventionsmaßnahmen um, während ein großer Teil der Unternehmen sein DUERP trotz der gesetzlichen Pflicht nicht regelmäßig aktualisiert.

Kontext

Die Befunde von Dares passen zu einem vorsichtig rückläufigen Trend in der offiziellen französischen Unfallstatistik. Nach eigenen Angaben von Dares verzeichnete Frankreich 2023 rund 668.510 Arbeitsunfälle mit mindestens einem Tag Arbeitsausfall, ein Rückgang von etwa 2 Prozent gegenüber 2022 (rund 679.000 Fälle). In den Jahren davor schwankten die Zahlen stark: ein Rückgang von 18 Prozent im Corona-Jahr 2020, gefolgt von einem Anstieg um 11 Prozent 2021 und einem erneuten Rückgang um 6 Prozent 2022. Am stärksten betroffen bleiben die Branchen Gesundheits- und Sozialwesen, Handel und Kfz-Reparatur sowie das Baugewerbe. Dares weist selbst darauf hin, dass Änderungen bei Zählmethoden und Datenquellen Vergleiche zwischen den Jahren erschweren — was unterstreicht, wie wertvoll Untersuchungen sind, die nicht nur die Zahlen verfolgen, sondern auch erklären, welche Präventionsmaßnahmen tatsächlich mit weniger Unfällen zusammenhängen.

Quelle: La sinistralité recule là où la prévention progresse, 1. Oktober 2026

Zusätzlich ausgewertet: Axia Consultants über die Dares-Studie zum Präventionsverhalten von Arbeitgebern, UNCCAS über dieselbe Dares-Studie und TPE Actu über die offiziellen Dares-Unfallzahlen 2023

Nach oben scrollen