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INAIL stellt Entscheidungsbaum für Reprotoxine vor

Klare Glasflaschen mit Chemikalien in einem Industrielager
SymbolbildFoto: Stephan HK / Unsplash

Das italienische nationale Institut für Unfallversicherung INAIL hat ein Informationsblatt mit einem praktischen Entscheidungsbaum veröffentlicht, um die Exposition gegenüber reproduktionstoxischen Stoffen am Arbeitsplatz zu bewerten und zu beherrschen. Reproduktionstoxische Stoffe sind chemische Stoffe, die die Fruchtbarkeit von Männern und Frauen schädigen oder eine Schwangerschaft negativ beeinflussen können. Das Informationsblatt konzentriert sich auf reproduktionstoxische Stoffe, die nicht zugleich krebserzeugend oder mutagen sind. Das Schema basiert auf italienischem Recht, doch dieses Recht geht auf EU-Vorschriften zurück, die in allen Mitgliedstaaten gelten. Dadurch ist es auch für Arbeitgeber und Fachkräfte für Arbeitssicherheit anderswo in Europa ein brauchbares Beispiel bei der chemischen Gefährdungsbeurteilung.

So funktioniert der Entscheidungsbaum

Das Schema von INAIL unterscheidet zunächst zwischen zwei Kategorien reproduktionstoxischer Stoffe: Stoffe, für die ein Grenzwert festgelegt wurde, und Stoffe, für die das nicht der Fall ist. Das Schema basiert auf Artikel 235 des italienischen Arbeitsschutzgesetzes D.Lgs. 81/2008, der die Pflichten des Arbeitgebers regelt, sowie auf Anhang XLIII dieses Gesetzes, in dem die Stoffe mit festgelegtem Grenzwert aufgeführt sind. Je nach dieser Einordnung folgt der Arbeitgeber einem anderen Vorgehen zur Risikobewertung. Das Verfahren berücksichtigt auch die Exposition gegenüber einem einzelnen Stoff und schließt nicht aus, dass reproduktionstoxische Stoffe zusammen mit krebserzeugenden oder mutagenen Stoffen in einer einzigen Bewertung berücksichtigt werden, wobei die Eigenschaften dieser Stoffe einbezogen werden.

Rechtlicher Rahmen: von Italien zur EU

Das Informationsblatt knüpft an eine breitere Entwicklung innerhalb der Europäischen Union an. Reproduktionstoxische Stoffe wurden relativ kürzlich in das europäische Schutzregime für Gefahrstoffe am Arbeitsplatz aufgenommen: Die Richtlinie (EU) 2022/431 erweiterte die EU-Richtlinie über krebserzeugende und mutagene Stoffe am Arbeitsplatz, gewöhnlich als CMRD bezeichnet (Richtlinie 2004/37/EG), um reproduktionstoxische Stoffe. Italien setzte diese Erweiterung durch das Gesetzesdekret D.Lgs. 135/2024 um, das reproduktionstoxische Stoffe in das italienische Arbeitsschutzgesetz aufnahm. Die Folge ist, dass Arbeitgeber diese Stoffe künftig ebenso behandeln müssen wie krebserzeugende und mutagene Stoffe: zunächst, wo möglich, durch weniger gefährliche Alternativen ersetzen, andernfalls die Exposition mit technischen und organisatorischen Maßnahmen so weit wie möglich begrenzen, gefolgt von arbeitsmedizinischer Vorsorge für Beschäftigte, die weiterhin exponiert sind.

Kontext

Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) weist in einem zusammenfassenden Bericht über reproduktionstoxische Stoffe auf die breitere Tragweite dieses Risikos hin. Reproduktionstoxische Stoffe kommen unter anderem in bestimmten Schädlingsbekämpfungsmitteln und Arzneimitteln vor und können neben der Fruchtbarkeit von Männern und Frauen auch zu Fehlgeburten und Fehlbildungen führen. Reproduktive Arbeitsrisiken werden laut EU-OSHA traditionell vor allem mit Frauen – insbesondere schwangeren Beschäftigten – in Verbindung gebracht, obwohl sie sowohl Männer als auch Frauen betreffen. INAIL hat zuvor bereits, über eine multidisziplinäre Arbeitsgruppe der Abteilung Dimeila, an einem umfassenderen Handbuch über krebserzeugende Stoffe, reproduktionstoxische Stoffe und gefährliche Arzneimittel am Arbeitsplatz gearbeitet, mit Substitution, technischen und organisatorischen Maßnahmen, Schulung und arbeitsmedizinischer Vorsorge als Präventionsmaßnahmen. Das neue Informationsblatt mit dem Entscheidungsbaum knüpft daran als kompakteres Instrument für die Gefährdungsbeurteilung am Arbeitsplatz an.

Quelle: Sostanze tossiche per la riproduzione: diagramma decisionale per la valutazione del rischio (Certifico.com; zum INAIL-Informationsblatt vom 22.-23. Oktober 2026)

Zusätzlich herangezogen: EU-OSHA, Summary: State-of-the-art report on reproductive toxicants, Edotto.com zum INAIL-Handbuch über reproduktionstoxische Stoffe (23. Mai 2024)

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