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Arbeitsrisiko in einkommensschwachen Ländern doppelt so hoch

Gelbe Schutzhelme in einer Reihe aufgestellt
SymbolbildFoto: Declan Sun / Unsplash

Was zeigt die Studie?

Beschäftigte in einkommensschwachen Ländern haben ein mehr als doppelt so hohes Risiko, bei der Arbeit schwer verletzt zu werden, wie Beschäftigte in einkommensstarken Ländern. Das zeigt Danger on the job: how global inequality shapes workplace harm, ein Bericht der britischen Sicherheitsorganisation RoSPA (Royal Society for the Prevention of Accidents), veröffentlicht am 24. September 2026 und finanziert von der Lloyd’s Register Foundation. Die Analyse stützt sich auf den Lloyd’s Register Foundation World Risk Poll 2023, eine weltweite Umfrage zur Risikowahrnehmung.

Weltweit verletzen sich schätzungsweise 395 Millionen Menschen jährlich bei der Arbeit. Laut dem Bericht gingen 2019 rund 6 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts durch Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten verloren — mehr als die gesamte Wirtschaftsleistung von Ländern wie Singapur oder den Vereinigten Arabischen Emiraten. Würden einkommensschwache Länder das gleiche Sicherheitsniveau erreichen wie einkommensstarke Länder, könnten den Forschenden zufolge jährlich bis zu 2 Millionen Leben und mehr als 750 Milliarden US-Dollar an wirtschaftlichem Schaden eingespart werden.

Der Bericht zeigt auch regionale Unterschiede, gegliedert nach den sechs WHO-Regionen. Der Anteil der Menschen, die angeben, selbst bei der Arbeit verletzt worden zu sein oder in den vergangenen zwei Jahren jemanden zu kennen, dem das passiert ist, ist im westlichen Pazifikraum am höchsten (37 %), gefolgt von Afrika (31 %) und Südostasien (30 %). Im östlichen Mittelmeerraum und auf dem amerikanischen Kontinent liegt er bei 22 % beziehungsweise 21 %, in Europa bei 21 %. Der Wohlstand schwankt innerhalb jeder Region stark, weshalb diese regionalen Zahlen kein direkter Vergleich zwischen einkommensschwachen und einkommensstarken Ländern sind.

Warum ist das Risiko höher?

Nationaler Wohlstand ist den Forschenden zufolge der stärkste Einflussfaktor für Arbeitssicherheit, stärker als individuelle Merkmale wie Einkommen, Bildung oder Geschlecht der Beschäftigten selbst. Das zeigt sich auch daran, wie stark persönlicher Aufstieg hilft: Wer in einem einkommensschwachen Land von den ärmsten in die reichsten Haushalte aufsteigt, senkt sein Verletzungsrisiko nur um 18 %, während derselbe Schritt in einem einkommensstarken Land das Risiko um 38 % senkt. Individueller Aufstieg schützt in einkommensschwachen Ländern also deutlich weniger als in einkommensstarken Ländern.

Der Bericht weist zudem auf mangelnde Vorbereitung und mangelnden Schutz hin: Weltweit hat mehr als 60 % der Beschäftigten noch nie eine Schulung zur Arbeitssicherheit erhalten, und weniger als die Hälfte der ILO-Mitgliedstaaten verfügt über eine aktuelle Arbeitsschutzpolitik. RoSPA und die Lloyd’s Register Foundation fordern stärkere Arbeitsschutzsysteme, eine bessere Meldung und Datenerfassung, verantwortungsvolle globale Lieferketten und mehr Schutz für Beschäftigte im informellen Sektor.

Kontext

Die Zahlen decken sich mit früheren gemeinsamen Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), die 2021 berechneten, dass 2016 weltweit 1,9 Millionen Menschen an arbeitsbedingten Ursachen starben, davon 81 % an nicht übertragbaren Krankheiten. Auch diese Analyse, die den Zeitraum 2000-2016 abdeckte, zeigte überproportional viele arbeitsbedingte Todesfälle in Südostasien und im westlichen Pazifikraum — denselben Regionen, die auch im RoSPA-Bericht als am stärksten betroffen genannt werden.

Quelle: People in Poorer Countries Face Double the Risk of Workplace Accident, 30. September 2026

Zusätzlich recherchiert: RoSPA report „Danger on the job: how global inequality shapes workplace harm“ (24. September 2026, Daten: Lloyd’s Register Foundation World Risk Poll 2023); WHO/ILO Joint Estimates of the work-related burden of disease and injury (2021)

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