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Bauunternehmen nach Grabenexplosion bei Ottawa bestraft

Offener Graben auf einer Baustelle für Rohrleitungsverlegung
Symbolbild

Ein Bauunternehmen wurde zu einer Geldstrafe von 75.000 CAD verurteilt, nachdem ein Arbeiter bei einer Explosion in einem Graben während Fundamentarbeiten in Ottawa, Kanada, verletzt wurde. Die Explosion entstand, weil sich Dämpfe eines brennbaren Klebstoffs in dem unbelüfteten Graben ansammelten.

Was geschah?

Am 30. August 2023 führten Mitarbeiter des Unternehmens 8169195 Canada Inc., das unter dem Namen Above Water firmiert und seinen Sitz in Gatineau, Québec, hat, Fundamentsanierungsarbeiten an einem Wohnhaus in Ottawa in der kanadischen Provinz Ontario durch. Die nicht abgestützte Ausschachtung war etwa 2,4 Meter tief und 0,9 Meter breit; da die Tiefe größer war als die Breite, gilt sie gemäß den Baubestimmungen von Ontario als Graben und nicht als gewöhnliche Baugrube. Ein Arbeiter trug Henry-Blueskin-Klebstoff auf die hintere Fundamentwand auf, als Teil der Abdichtungsarbeiten. Dieses Mittel ist eine brennbare Flüssigkeit, die bei der Verarbeitung entzündliche Dämpfe bilden kann. Da der Graben eng und tief war, konnten sich die Dämpfe nicht auf natürliche Weise verteilen und sammelten sich in dem geschlossenen Raum an. Beim Auftragen des Klebstoffs kam es zu einer Explosion, bei der der Arbeiter verletzt wurde. Die Quelle nennt weder Alter noch Berufsbezeichnung noch die genaue Art der Verletzung des betroffenen Arbeiters.

Erkenntnisse

Die Untersuchung des Ontario Ministry of Labour, Immigration, Training and Skills Development ergab, dass weder eine Atmosphärenüberwachung noch eine Belüftung eingesetzt wurden, während der brennbare Klebstoff Dämpfe in den Graben abgab. Dadurch konnte sich unbemerkt ein zündfähiges Luft-Dampf-Gemisch bilden. Die Kombination aus einem engen, tiefen Graben und einem brennbaren Produkt ohne Gasmessung oder Belüftung führte dazu, dass die Dämpfe nicht entweichen konnten. Das kanadische Kompetenzzentrum CCOHS weist darauf hin, dass Dämpfe brennbarer Flüssigkeiten sich am Boden entlang ausbreiten können, bevor sie sich entzünden; in einem Graben bleiben sie zudem auf Arbeitshöhe stehen. Die Quelle nennt nicht, wodurch die Dämpfe letztlich entzündet wurden.

Empfehlungen

8169195 Canada Inc. wurde am 15. Juli 2026 – fast drei Jahre nach dem Vorfall – für schuldig befunden, gegen Section 46(1)(b) der Ontario Regulation 213/91 verstoßen zu haben, die provinzielle Verordnung für Bauprojekte im Rahmen des Ontario Occupational Health and Safety Act; der Verstoß wurde unter Section 25(1)(c) dieses Gesetzes erfasst. Dieser Abschnitt verpflichtet zu Vorsichtsmaßnahmen, wenn ein Gas, Dampf, Staub oder Rauch mit Luft ein explosives Gemisch bilden kann. Das Gericht verhängte eine Geldstrafe von 75.000 CAD zuzüglich des gesetzlich vorgeschriebenen Opferzuschlags von 25 Prozent (18.750 CAD), womit sich die Gesamtsumme auf 93.750 CAD beläuft. Das Canadian Centre for Occupational Health and Safety (CCOHS) empfiehlt, brennbare Flüssigkeiten ausschließlich in gut belüfteten Räumen zu verwenden, mit funkenfreiem Werkzeug und explosionsgeschützter Ausrüstung. Für geschlossene und tiefe Räume wie Gräben liegt es daher nahe, vor und während der Verwendung solcher Produkte die Atmosphäre zu messen und zu belüften und erst mit der Arbeit zu beginnen, wenn feststeht, dass die Luft sicher ist.

Kontext

Der Fall fügt sich in die umfassenderen Ontario-Vorschriften für Grabenarbeiten ein. Gemäß der Ontario Regulation 213/91 muss jeder Graben ab einer Tiefe von 1,2 Metern gegen Einsturz gesichert werden, durch Abschrägung, Abstützung oder eine vorgefertigte Stützkonstruktion, und der Boden muss vorab nach Bodenart klassifiziert werden. Arbeitgeber müssen außerdem Leitungen und Kabel vorab orten lassen, die Ausschachtung frei von angesammeltem Wasser halten und den Graben täglich durch eine sachkundige Person inspizieren lassen, bevor Arbeiter ihn betreten. Diese allgemeinen Regeln richten sich vor allem auf die Einsturzgefahr, doch der Fall gegen Above Water zeigt, dass Brand- und Explosionsgefahr durch chemische Dämpfe in einem Graben ein eigenständiger, realer Risikofaktor ist, für den eigene Vorsichtsmaßnahmen wie Gasdetektion und mechanische Belüftung notwendig sind.

Ontario greift bei Grabenarbeiten häufiger durch. So erhielt 2024 ein Gewächshaushersteller in Leamington eine Geldstrafe von 65.000 CAD, nachdem ein Arbeiter schwer verletzt wurde, als ein Graben einstürzte. Der Fall in Ottawa zeigt, dass Aufsichtsbehörden auch chemische Risiken in Gräben angehen.

Quelle: Grabenexplosion bei Ottawa: Unternehmen nach Verletzung eines Arbeiters bestraft, 1. Oktober 2026

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