Zwei große britische Unternehmen sind verurteilt worden, nachdem ein 130 Kilogramm schweres Fensterelement vom 26. Stockwerk eines luxuriösen Wohnturms in London, Vereinigtes Königreich, gefallen war und einen Busfahrer tötete, der auf Straßenniveau Pause machte. Das Inner London Crown Court verhängte am 24. September 2026 Geldstrafen gegen den Bauträger St James Limited (Teil der Berkeley Group) und den Fassaden-Subunternehmer Lindner Prater Limited.
Der Vorfall
Am 2. Oktober 2018 fiel gegen 10:30 Uhr ein Fenster aus dem Corniche-Gebäude am Albert Embankment aus einer Höhe von etwa 90 Metern. Das Fenster traf einen 53-jährigen Busfahrer, der zu diesem Zeitpunkt auf Straßenniveau Pause machte, und tötete ihn. Die Health and Safety Executive (HSE) leitete strafrechtliche Ermittlungen zu Bau und Wartung der Fenster des Gebäudes ein.
Die Ermittlungen ergaben, dass die Fenster von einer nach innen öffnenden zu einer nach außen öffnenden Konstruktion geändert worden waren, ohne dass dabei eine wirksame Risikobewertung durchgeführt wurde. Die Sicherheit des geänderten Systems hing von einem einzigen Fensterbegrenzer ab, der mit nur einer Schraube am Rahmen befestigt war. Der Hersteller der Beschläge hatte diese nie für den Einsatz in den maßgefertigten, gebogenen Fenstern des Gebäudes freigegeben. Bereits im August 2017, während der Bauphase, war ein ähnliches Fenster heruntergefallen. Trotz dieses Vorfalls und einer anschließenden internen Überprüfung wurden die aufgeworfenen Bedenken nicht wirksam weiterverfolgt.
Sowohl St James Limited als auch Lindner Prater Limited wurden für schuldig befunden, gegen Section 3(1) des Health and Safety at Work Act 1974 verstoßen zu haben, der Arbeitgeber und Bauherren dazu verpflichtet, auch die Sicherheit Dritter außerhalb des eigenen Personals zu gewährleisten. St James Limited wurde als Bauherr und Entwickler des Corniche-Projekts, verantwortlich für die Gesamtsicherheit des Gebäudes, zu einer Geldstrafe von 1 Million £ zuzüglich 125.000 £ Verfahrenskosten verurteilt. Lindner Prater Limited, der Subunternehmer, der die Fassade und die Fenster geliefert und montiert hat, muss 300.000 £ Geldstrafe sowie 125.000 £ Verfahrenskosten zahlen. Zusammen belaufen sich die verhängten Sanktionen auf mehr als 1,5 Millionen £, was diesen Fall zu einer der schwersten Verurteilungen der vergangenen Jahre im Bereich Bausicherheit im Vereinigten Königreich macht.
Schlussfolgerungen
HSE-Inspektor Andrew Verrall-Withers kam zu dem Schluss, dass man sich zu sehr auf ein kleines Warnschild am Fenster verlassen hatte, in der Hoffnung, dass Bewohner das Fenster nicht offen stehen lassen würden. Nach Einschätzung des Inspektors hätten dieser tödliche Unfall sowie der frühere Beinaheunfall während der Bauphase verhindert werden können, wenn die Risiken der geänderten Fensterkonstruktion ordnungsgemäß bewertet und ein solides, doppelt gesichertes Begrenzersystem anstelle eines einzelnen, unzureichend befestigten Begrenzers eingesetzt worden wäre. Die Ermittlungen ergaben zudem, dass die Kommunikation zwischen Bauherr, Hauptauftragnehmer und Fassaden-Subunternehmer über die spät erfolgte Konstruktionsänderung nicht ausreichend abgesichert war, sodass niemand in der Kette die volle Verantwortung dafür übernahm, die konstruktive Sicherheit des geänderten Fenstersystems neu zu bewerten, bevor Bewohner in das Gebäude einzogen.
Empfehlungen
Die HSE betont, dass Principal Designers den Leistungsumfang von Architekten und anderen Planern klar abgrenzen und deren Leistung anschließend während des gesamten Bauprozesses aktiv überwachen müssen. Nur so lassen sich Risiken, die aus Konstruktionsänderungen entstehen, rechtzeitig erkennen und notwendige Verbesserungen zwischen den Parteien koordinieren, statt sich auf Warnhinweise oder einzelne Nutzeranweisungen als letzte Verteidigungslinie zu verlassen. Dies gilt laut HSE ausdrücklich auch für Änderungen, die erst spät im Bauprozess vorgenommen werden, wie etwa die Umkehrung der Öffnungsrichtung der Fenster in diesem Projekt, bei der die ursprünglichen Sicherheitsannahmen der Konstruktion stillschweigend wegfallen können, ohne dass dies ausdrücklich überprüft wird.
Kontext
Ebenfalls untersucht: Die HSE weist in einem eigenen Sicherheitsbulletin zu den Risiken von Stürzen durch Fenster auf die Notwendigkeit ordnungsgemäß befestigter, zugelassener Begrenzersysteme hin, gerade weil sich Nutzer nicht immer an Warnhinweise halten. Seit der Grenfell-Katastrophe wurde die Bausicherheit bei Hochhäusern im Vereinigten Königreich mit dem Building Safety Act 2022 weiter verschärft, der Bauherren und Planern strengere Pflichten zur Beherrschung von Sicherheitsrisiken über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes hinweg auferlegt. Dieser Fall zeigt, dass auch Konstruktionsänderungen nach Fertigstellung einer Fassade dieselbe sorgfältige Risikobewertung erfordern.
Quelle: Two major companies sentenced over death of man killed by window falling from luxury penthouse, 24. September 2026

