Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) mit Sitz in Bilbao, Spanien, hat ein neues OiRA-Tool (Online interactive Risk Assessment) für Büroumgebungen entwickelt. Das Instrument führt Organisationen Schritt für Schritt durch eine Risikobewertung ihres Arbeitsplatzes, mit dem Ziel, Gefahren zu erkennen und Präventionsmaßnahmen festzulegen, bevor Beschwerden oder Vorfälle entstehen. Das Tool richtet sich an Unternehmen und Organisationen mit Büropersonal.
Was bewertet das OiRA-Office-Tool?
Das Tool behandelt mehrere Aspekte der Büroarbeit: die Gestaltung von Arbeitsplätzen (Ergonomie), Beleuchtung und Belüftung, die Arbeitsorganisation, psychosoziale Risikofaktoren sowie die Prävention von Belästigung und Gewalt am Arbeitsplatz. Für jeden Bereich werden Nutzer durch konkrete Fragen geführt, woraufhin sie passende Präventionsmaßnahmen festhalten können. Die EU-OSHA betont, dass die Einbeziehung der Beschäftigten in die Bewertung wesentlich ist, damit die Bewertung die tatsächlichen Arbeitsbedingungen widerspiegelt und eine wirksame Prävention unterstützt.
Kontext
Die Verpflichtung, Arbeitsplatzrisiken zu bewerten, ergibt sich aus der europäischen Rahmenrichtlinie 89/391/EWG, die Arbeitgeber in allen EU-Mitgliedstaaten verpflichtet, „alle Risiken für die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten“ zu bewerten, einschließlich der Entscheidungen bei der Gestaltung von Arbeitsplätzen. Diese allgemeinen Präventionsgrundsätze gelten für alle öffentlichen und privaten Sektoren, mit spezifischen Ausnahmen wie Militär und Polizei, und müssen in alle betrieblichen Tätigkeiten integriert werden. Eine EU-OSHA-Studie zeigt, dass rund drei von fünf Beschäftigten in der EU-28 Beschwerden des Bewegungsapparats melden (European Working Conditions Survey 2010/2015) und dass einer von fünf Menschen in der EU-28 im vorangegangenen Jahr eine chronische Rücken- oder Nackenerkrankung hatte (European Health Interview Survey 2014). Beschwerden des Bewegungsapparats treten in allen Sektoren auf; im Büro spielen vor allem langes Sitzen und Bildschirmarbeit eine Rolle.
Wie funktioniert die Risikobewertung in der Praxis?
Die EU-OSHA stellt ein kurzes Erklärvideo bereit, das Nutzern den Einstieg in den Fragebogen erleichtert. Gut gestaltete Arbeitsplätze und eine ausgewogene Arbeitsbelastung nennt die EU-OSHA als Voraussetzungen für produktives und gesundes Arbeiten, und das neue Bürotool soll Organisationen helfen, diese Voraussetzungen konkret und systematisch zu erfassen.
Quelle: Is your office safe and healthy? Ask OiRA, 28. September 2026
Zusätzlich recherchiert: EU-OSHA, Rahmenrichtlinie 89/391/EWG, EU-OSHA, Work-related MSDs: prevalence, costs and demographics in the EU

