Der italienische staatliche Arbeitsunfallversicherer INAIL veröffentlichte am 9. Oktober 2026 seine sogenannten „Augustzahlen“. Diese betreffen nicht nur den Monat August, sondern fassen alle Meldungen von Januar bis August 2026 zusammen. Im Vergleich zu denselben acht Monaten des Jahres 2025 stieg die Zahl der gemeldeten Arbeitsunfälle, und die der Berufskrankheiten noch deutlich stärker. INAIL betont, dass die monatlichen Zahlen vorläufig sind und noch angepasst werden können.
Mehr Unfälle in acht Monaten
INAIL registrierte 285.811 Meldungen von Arbeitsunfällen während der Arbeit, 5,1 % mehr als die 271.976 im selben Zeitraum 2025. Wegeunfälle auf dem Arbeitsweg stiegen stärker: 66.149 Meldungen, +7,0 % gegenüber 61.799. Einschließlich 52.849 Meldungen von Schülern und Studierenden (+5,2 %) kommt das Gesamt auf 404.809 Meldungen, 5,4 % mehr als 2025. Tödliche Unfälle nahmen weniger stark zu: 498 während der Arbeit (gegenüber 488) und 191 auf dem Arbeitsweg (gegenüber 186). Einschließlich zwölf tödlicher Unfälle bei Studierenden, gegenüber sieben im Vorjahr, liegt das Gesamt bei 701 tödlichen Meldungen, 2,9 % mehr als 2025.
Berufskrankheiten steigen stärker als Unfälle
Die Zahl der Meldungen von Berufskrankheiten stieg deutlich stärker als die der Unfälle: 74.542 Meldungen, 10.424 mehr als 2025, ein Anstieg von 16,3 %. Laut INAIL verteilt sich der Anstieg breit im Vergleich zu denselben Zeiträumen früherer Jahre. Es geht vor allem um Erkrankungen des Bewegungsapparats und des Bindegewebes, des Nervensystems und des Gehörs, gefolgt von Tumoren und Atemwegserkrankungen. Eine Erklärung für den Anstieg nennt INAIL in der Pressemitteilung nicht.
Unterschiede zwischen Branchen und Regionen
Der stärkste Anstieg der Unfälle zeigte sich im Gesundheits- und Sozialwesen (+6,9 %), im Gastgewerbe (+4,1 %) sowie im Transport- und Lagerwesen (+3,9 %). Tödliche Unfälle stiegen im Baugewerbe (von 78 auf 83) und im Transportwesen (von 65 auf 68), sanken aber im verarbeitenden Gewerbe (von 69 auf 62) und im Handel (von 48 auf 36). Regional stiegen die Meldungen am stärksten in der Region Latium rund um Rom (Italien, +10,0 %), Sizilien (+9,3 %) und Molise (+9,2 %). Tödliche Arbeitsunfälle nahmen am stärksten in der Lombardei (+9) und in der Emilia-Romagna (+8) zu und sanken am stärksten in der Basilikata (-6).
Kontext
Die italienischen Zahlen passen in ein breiteres europäisches Bild, auch wenn die Zählungen nicht eins zu eins vergleichbar sind. Laut Eurostat-Zahlen, wie von Eunews berichtet, gab es 2024 in der gesamten EU 3.367 tödliche Arbeitsunfälle, 1,4 % mehr als 2023, während nicht tödliche Unfälle auf etwa 2,78 Millionen zurückgingen. Italien verzeichnete laut Eurostat in diesem Jahr 482 tödliche Unfälle, eine Sterblichkeitsrate von 2,01 pro 100.000 Beschäftigten und den zehnten Platz innerhalb der EU. Diese Zahl ist nicht direkt mit den 701 tödlichen INAIL-Meldungen über acht Monate 2026 vergleichbar: Eurostat zählt keine Wegeunfälle und bezieht sich auf ein anderes Jahr; INAIL zählt alle Meldungen, auch noch nicht anerkannte. Der Trend passt jedoch dazu: Laut vorläufigen INAIL-Jahreszahlen stieg die Zahl der italienischen Unfallmeldungen für das gesamte Jahr 2025 leicht auf 597.710 gegenüber 589.571 im Jahr 2024, während die Berufskrankheiten in diesem Jahr bereits um 11,3 % zunahmen.
Quelle: Denunce di infortuni e malattie professionali, i dati Inail di agosto, 09-10-2026
Zusätzlich recherchiert: PuntoSicuro: Denunce di infortuni e malattie professionali: i dati di agosto 2026 (Seite nicht mehr verfügbar, 404); Giornale delle PMI: Lavoro, allarme Inail; Eunews: EU workplace deaths rise, Italy ranks tenth with 482 in 2024; BusinessOnline.it: dati Inail 2026

