Deutsche Arbeitgeber haben 2025 rund 85,6 Milliarden Euro für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall aufgewendet, wie eine Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt. Der Betrag setzt sich zusammen aus 72,5 Milliarden Euro Bruttolöhnen und 13,1 Milliarden Euro Arbeitgeberbeiträgen zur Sozialversicherung.
Fünfzehn Jahre steigende Kosten
Seit 2020 sind die Kosten der Lohnfortzahlung um mehr als 21 Milliarden Euro gestiegen; über fünfzehn Jahre haben sich die nominalen Ausgaben mehr als verdoppelt. Das IW nennt mehrere Ursachen: steigende Löhne in der gesamten Wirtschaft, eine wachsende Zahl anspruchsberechtigter Beschäftigter sowie die 2022 eingeführte elektronische Erfassung von Krankmeldungen, die laut den Forschern zu einem statistisch sichtbaren Anstieg geführt habe.
Die Krankenstandsquote sank 2025 laut dem Branchenverband BKK Dachverband leicht von 5,90 % auf 5,83 %. Das Forschungsinstitut WIdO der AOK verzeichnete im Schnitt 23,3 Krankheitstage je Beschäftigtem – etwas weniger als 2024 und über einen Tag unter dem Höchststand von 2022.
Debatte um die Karenztagsregelung
Die Koalition einigte sich im Juli 2026 darauf, ab dem ersten Krankheitstag ein ärztliches Attest zu verlangen und die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung abzuschaffen. IW-Ökonom Jochen Pimpertz bezweifelt, dass dies den Krankenstand spürbar senken wird, da Arbeitgeber bereits heute rechtlich ein Attest verlangen können. Arbeitsministerin Bärbel Bas warnte, die Regelung könne stattdessen zu mehr Arztbesuchen bei leichten Erkrankungen führen und Fehlzeiten eher verlängern als verkürzen.
Bedeutung für EHS-Fachleute
Lohnfortzahlungskosten in dieser Größenordnung sind weltweit ein wiederkehrendes Thema für alle, die für die betriebliche Gesundheitspolitik verantwortlich sind: Sie spiegeln nicht nur Gesundheitsprobleme wider, sondern auch die Wirksamkeit von Präventions- und Fehlzeitenmanagement in einer Organisation.
Quelle: Fehlzeiten: Unternehmen zahlten 2025 fast 86 Milliarden Euro für erkrankte Mitarbeitende, 17. September 2026

