Mittwoch, 21. Oktober 2026Zuverlässige Nachrichten zu Sicherheit, Gesundheit und Umwelt
NachrichtenSonstiges

Arbeitsstress bei Männern mit Sexualproblemen verknüpft

Eine Tasse Kaffee auf einem ruhigen Schreibtisch, Sinnbild für Arbeitsbelastung und Stress am Arbeitsplatz
SymbolbildAndrew Neel — Unsplash (koffie op kantoorbureau)

Arbeitsstress hängt bei kanadischen Männern mit sexuellen Beschwerden zusammen. Das zeigt eine neue Umfrage des Telemedizin-Anbieters MedExpress Canada unter mehr als tausend Männern ab 18 Jahren. Männer, die bei der Arbeit starken Stress erleben, berichten häufiger von erektiler Dysfunktion (ED) als weniger gestresste Kollegen.

Was zeigt die Studie?

Die Umfrage von MedExpress Canada lief vom 13. bis 16. Juli 2026 unter mehr als 1.000 kanadischen Männern. Von den Befragten gehörten 31 Prozent zur Generation Z (18-29 Jahre), 50 Prozent zu den Millennials (30-45 Jahre) und 15 Prozent waren zwischen 46 und 61 Jahre alt.

Von den befragten Männern geben 36 Prozent an, dass Arbeitsstress im vergangenen Jahr einen negativen Einfluss auf ihr Sexualleben hatte. Etwa 38 Prozent gaben an, Sex zu vermeiden, weil sie sich durch die Arbeit erschöpft oder gestresst fühlten. Männer mit hohem Arbeitsstress berichten der Umfrage zufolge etwa zweieinhalb Mal so häufig von erektiler Dysfunktion wie ihre weniger gestressten Kollegen. Es handelt sich um einen auf einer Umfrage beruhenden Zusammenhang (Korrelation); die Studie weist keinen nachgewiesenen kausalen Mechanismus zwischen Arbeitsstress und ED nach.

Was sagen Experten?

Dr. Karim Vellani, Chief Medical Officer von MedExpress Canada und Hausarzt mit rund vierzehn Jahren Erfahrung, beobachtet in der Praxis, dass Männer oft keinen Zusammenhang zwischen ihren Erektionsproblemen und Arbeitsstress erkennen. Sie denken eher an Beziehungsprobleme, ihr Alter oder kardiovaskuläre Risiken, sagt er. Laut Vellani spielt Stigmatisierung eine Rolle: Männer sprechen im Allgemeinen ungern über Stress und psychische Gesundheit, wodurch der Zusammenhang mit ED häufig unentdeckt bleibt. Die Umfrage zeigt zudem, dass 58 Prozent der Männer eher eine Behandlung suchen würden, wenn ED als Stress- oder Burnout-Problem statt als rein sexuelles Problem dargestellt würde.

Was können Arbeitgeber tun?

Vellani rät Arbeitgebern, niedrigschwellige Wege zu schaffen, über die Beschäftigte Stress ansprechen können, bevor Beschwerden eskalieren. Dazu zählen vertrauliche Gespräche über Stress und zugängliche Mitarbeiterunterstützungsprogramme (Employee Assistance Programs, EAPs). Indem Stress und Burnout offener angesprochen werden können, lassen sich laut Vellani Signale erkennen, die sonst unbemerkt blieben.

Kontext

Die Befunde passen zu breiter angelegten Untersuchungen zu den Gesundheitsrisiken von Arbeitsstress. Laut einem im April 2026 veröffentlichten Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) hängen weltweit jährlich mehr als 840.000 Todesfälle mit psychosozialen Risiken am Arbeitsplatz zusammen, etwa langen Arbeitszeiten, Arbeitsplatzunsicherheit und Mobbing oder Belästigung. Diese Risiken stehen dem Bericht zufolge vor allem mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychischen Erkrankungen in Zusammenhang. Sexuelle Gesundheit wird in diesen ILO-Zahlen nicht separat erfasst, doch sie zeigen, dass die gesundheitlichen Folgen von Arbeitsstress über das psychische Wohlbefinden hinausreichen.

Für Arbeitgeber und politische Entscheidungsträger weltweit deuten diese Befunde darauf hin, dass Arbeitsstress nicht nur mit Fehlzeiten oder Burnout zusammenhängt, sondern möglicherweise auch mit der körperlichen und sexuellen Gesundheit von Beschäftigten. Das macht frühzeitige Erkennung von Stress und niedrigschwellige Unterstützung für Arbeitsorganisationen in jedem Land relevant, nicht nur in Kanada.

Quelle: Work stress linked to sexual health issues in Canadian men, 20. Oktober 2026

Zusätzlich recherchiert: Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zu psychosozialen Risiken am Arbeitsplatz (April 2026), wie von Euronews und HR Executive berichtet.

Nach oben scrollen