Vorfall
Am 22. Dezember 2020 erlitt ein 64-jähriger Mitarbeiter des Transportunternehmens Nippon Express (UK) Ltd lebensverändernde Verletzungen, als eine rund 1,2 Tonnen schwere Kiste mit einem Elektronenmikroskop von einem Gabelstapler auf dem Gelände von Smith & Nephew Medical Ltd in Hull, Vereinigtes Königreich, fiel. Aufgrund der damaligen Covid-19-Beschränkungen hatte Smith & Nephew Medical die Verantwortung für das Entladen der Lieferung selbst übernommen, anstatt sie dem üblichen Transportunternehmen zu überlassen – eine vorübergehende Änderung der normalen Arbeitsweise, die, wie sich später zeigte, nicht mit einer ebenso sorgfältigen Vorbereitung einherging.
Feststellungen
Die Untersuchung der HSE ergab, dass der Entladevorgang schlecht organisiert war: Es fehlten eine angemessene Planung, Gefährdungsbeurteilung und Aufsicht. Der Beschäftigte befand sich in einer unsicheren Position, und die Last wurde falsch angehoben, wodurch die Kiste auf ihn fiel. Die HSE stellte fest, dass Smith & Nephew Medical den Entladevorgang nicht angemessen geplant, die Eignung des Gabelstaplers (mit einer Kapazität von zwei Tonnen) für die Art der Last nicht bewertet, die Ausführungsmethode, das beteiligte Personal und die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen nicht berücksichtigt und keine wirksame Aufsicht über den Vorgang sichergestellt hatte. Diese Häufung von Versäumnissen deutet darauf hin, dass die vorübergehende Übernahme der Entladearbeiten nicht als eigenständige, risikobehaftete Aufgabe mit eigener Bewertung behandelt wurde, sondern eher als routinemäßige Fortsetzung des Tagesgeschäfts. Am 14. September 2026 befand das Hull Crown Court das Unternehmen für schuldig, gegen Section 3(1) des Health and Safety at Work etc. Act 1974 verstoßen zu haben – jene Vorschrift, die Arbeitgeber verpflichtet, auch die Sicherheit betriebsfremder Personen auf ihrem Gelände zu gewährleisten -, mit einer Geldstrafe von 230.000 Pfund zuzüglich 111.000 Pfund Verfahrenskosten.
Empfehlungen
HSE-Inspektor David Stewart erklärte, der Fall „sollte die gesamte Branche daran erinnern, Entladevorgänge sorgfältig zu planen und zu beaufsichtigen, insbesondere wenn es sich um nicht standardmäßige Lasten handelt“. Für EHS-Fachleute weltweit unterstreicht dieser Fall die Bedeutung einer formellen Gefährdungsbeurteilung immer dann, wenn von der üblichen Arbeitsweise abgewichen wird – in diesem Fall die vorübergehende eigenständige Übernahme von Lade-/Entladearbeiten aufgrund von Pandemiemaßnahmen – sowie die ausdrückliche Prüfung, ob das verwendete Hebezeug für die jeweilige Last geeignet ist, unabhängig davon, in welchem Land derartige Arbeiten stattfinden. Vorübergehende oder erzwungene Änderungen etablierter Logistikprozesse, wie sie hier durch Pandemiemaßnahmen ausgelöst wurden, verdienen eine ebenso gründliche Gefährdungsbeurteilung wie eine dauerhafte Arbeitsweise.
Quelle: Crate falls from forklift truck and seriously injures worker, 15. September 2026

