Das spanische Nationale Institut für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz (INSST) hat am 15. September 2026 die Ergebnisse einer Literaturstudie zu den Risiken veröffentlicht, die weibliche Beschäftigte auf Baustellen unverhältnismäßig stark betreffen. Die narrative Literaturübersicht wurde im Zeitraum 2025-2026 durchgeführt und ist Teil von Ziel 5 der spanischen Strategie für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz 2023-2027 (Estrategia Española de Seguridad y Salud 2023-2027) mit Sitz in Madrid, Spanien.
Fünf Risikokategorien auf der Baustelle
Die Forschenden fassten ihre Ergebnisse in fünf Hauptgruppen zusammen. Erstens bestehen Hürden bei der Gewinnung und dem Verbleib weiblicher Fachkräfte im Bausektor. Zweitens weist die Studie auf Defizite in der Präventionspolitik hin, etwa unzureichend zielgerichtete Schulungen und mangelhafte Sanitäreinrichtungen auf der Baustelle. Drittens werden konkrete Sicherheitsrisiken genannt, die mit persönlicher Schutzausrüstung (PSA) und Arbeitskleidung zusammenhängen, die nicht auf weibliche Körpermaße abgestimmt ist und dadurch die Schutzwirkung beeinträchtigen kann. Darüber hinaus identifiziert die Studie psychosoziale Risiken, darunter sexuelle Belästigung, Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowie Diskriminierung am Arbeitsplatz. Schließlich verweist der Bericht auf eine horizontale Segregation des Arbeitsmarkts innerhalb des Bausektors, bei der Frauen weiterhin unterrepräsentiert sind und häufig in bestimmten, oft weniger sichtbaren Funktionen tätig sind.
Warum dies für EHS-Fachkräfte relevant ist
Der Bausektor ist für körperlich anspruchsvolle und risikoreiche Arbeitsbedingungen bekannt, doch Sicherheitspolitik und Ausrüstung wurden historisch vor allem mit männlichen Beschäftigten als Norm konzipiert. Die INSST-Studie unterstreicht, dass generische Risikobewertungen und Standard-PSA weiblichen Beschäftigten möglicherweise keinen ausreichenden Schutz bieten, was zu einer erhöhten Exposition gegenüber sowohl physischen als auch psychosozialen Gefahren führt. Für Arbeitsschutzkoordinatoren und Präventionsfachkräfte ist dies ein Anlass, PSA-Richtlinien, Sanitäreinrichtungen und Schulungsprogramme auf Geschlechtergerechtigkeit zu überprüfen und Meldeverfahren für Belästigung und Diskriminierung zu stärken.
Verknüpfung mit bestehenden Vorschriften
Der INSST-Bericht setzt die Ergebnisse ausdrücklich in Bezug zur bestehenden spanischen Gesetzgebung zu Gleichstellung und Arbeitsgesundheit und beschreibt, wie diese Vorschriften auf diese gefährdete Berufsgruppe anwendbar sind. Damit bietet die Studie Arbeitgebern und Aufsichtsbehörden einen Ansatzpunkt, um die Präventionspolitik im Bausektor aus einer geschlechtsspezifischen Perspektive zu überarbeiten – im Einklang mit dem breiteren europäischen Fokus auf gleiche Arbeitsbedingungen in körperlich belastenden Branchen.
Quelle: Conclusiones de la literatura científica sobre los riesgos que más afectan a las trabajadoras a pie de obra, 15. September 2026

