Seit dem 1. Januar sind die Anforderungen an ein gesundes psychosoziales Arbeitsumfeld im norwegischen Arbeitsumweltgesetz klarer definiert. Um Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu helfen, diese Regeln auch tatsächlich umzusetzen, startet die norwegische Arbeitsaufsicht (Arbeidstilsynet) in diesem Herbst eine Reihe kostenloser Praxisseminare im ganzen Land. Die Botschaft: Vorbeugen ist besser als heilen, und ein gesundes Arbeitsumfeld entsteht gemeinsam.
Was ändert sich im Gesetz?
Das psychosoziale Arbeitsumfeld betrifft, wie Beschäftigte ihre Arbeit und den Umgang miteinander erleben, sowie das Zusammenspiel zwischen Menschen am Arbeitsplatz. Arbeidstilsynet betont, dass ein gutes psychosoziales Arbeitsumfeld hilft, Krankschreibungen und Ausfälle zu vermeiden, und zu Engagement, Wohlbefinden und Produktivität beiträgt. Arbeidstilsynet nennt keinen konkreten Gesetzesartikel; die Kernbotschaft der Aufsichtsbehörde lautet, dass Unternehmen systematisch und präventiv arbeiten müssen, da es einfacher ist, Probleme zu verhindern, als sie im Nachhinein zu lösen.
Praxisnahe Kurse im ganzen Land
Um diesen Wandel zu unterstützen, organisiert Arbeidstilsynet in diesem Herbst und Anfang nächsten Jahres sieben Seminare in vier norwegischen Städten: Trondheim, Norwegen (16. November, bereits ausgebucht, und 30. November, jeweils 12.30-15.00 Uhr), Oslo (26. November und 1. Dezember, jeweils 9.00-11.30 Uhr), Tromsø (3. Dezember, 12.30-15.00 Uhr, und 15. Dezember, 12.00-14.30 Uhr) und Bodø (19. Januar, 9.00-11.30 Uhr). Die Teilnahme ist kostenlos, die Plätze sind jedoch begrenzt und eine Anmeldung ist erforderlich; die Aufsichtsbehörde schließt nicht aus, später weitere Termine hinzuzufügen.
Die Seminare behandeln, welche Faktoren das psychosoziale Arbeitsumfeld beeinflussen, was der klarer gefasste Gesetzestext in der Praxis bedeutet, wie ein Unternehmen sein psychosoziales Arbeitsumfeld erfassen und Risiken bewerten kann, sowie die Wahl geeigneter präventiver Maßnahmen. Die Seminare richten sich an Führungskräfte, Sicherheitsbeauftragte (verneombud) und Gewerkschaftsvertreter (tillitsvalgte). Arbeidstilsynet ermutigt Organisationen, mit mehreren Kolleginnen und Kollegen mit einer Rolle in der Arbeitsumfeldarbeit teilzunehmen, da ein gutes Arbeitsumfeld laut der Aufsichtsbehörde gemeinsam geschaffen wird.
Kontext
Dass psychosoziale Risiken weit verbreitet sind, zeigt auch die vierte europäische Unternehmensbefragung zu neuen und aufkommenden Risiken (ESENER 2024) der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA). Demnach haben 56 Prozent der Organisationen im Dienstleistungssektor mit schwierigen Kunden, Patienten oder Schülern zu tun, und 43 Prozent mit strukturellem Zeitdruck. Der norwegische Ansatz – klare Gesetzgebung kombiniert mit niedrigschwelliger, kostenloser Schulung für Führungskräfte und Arbeitnehmervertretungen – zielt damit auf Risiken, die laut diesen europäischen Zahlen in einem großen Teil der Organisationen eine Rolle spielen.
Was bedeutet das für Arbeitgeber anderswo?
Die Gesetzesänderung gilt nur in Norwegen, doch der Ansatz ist auch für Organisationen in anderen Ländern relevant. In der Europäischen Union verpflichtet die Rahmenrichtlinie 89/391/EWG Arbeitgeber bereits dazu, alle Arbeitsrisiken zu bewerten, einschließlich psychosozialer; in den Niederlanden nennt das Arbeitsschutzgesetz (Arbowet) die psychosoziale Arbeitsbelastung sogar ausdrücklich. Die norwegischen Seminare, die nicht zufällig „Von der Anforderung zur Praxis“ heißen, zeigen, wie eine Aufsichtsbehörde neben der Durchsetzung auch aktiv dabei hilft, eine gesetzliche Anforderung in konkrete Maßnahmen am Arbeitsplatz zu übersetzen.
Quelle: Arbeidstilsynet: Kurse zum psychosozialen Arbeitsumfeld, 21-10-2026
Zusätzlich recherchiert: EU-OSHA, ESENER 2024

