Die italienische Region Toskana und die Regionaldirektion des INAIL (des italienischen Instituts für Unfallversicherung) haben am 25. September 2026 in Florenz ein Kooperationsprotokoll unterzeichnet, um die Arbeitssicherheit gezielter anzugehen. Die Vereinbarung ist Teil der regionalen Strategie 2026-2030 gegen Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten und überführt frühere Pilotprojekte in feste, wiederholbare Verfahren.
Daten verknüpfen, um Risiken gezielter zu lokalisieren
Kern der Vereinbarung ist die Verknüpfung von Unfalldaten des INAIL mit Gesundheits- und epidemiologischen Daten des CeRIMP, des toskanischen Regionalzentrums für Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten. Durch die Zusammenführung beider Datenquellen wollen die Partner genau erkennen, in welchen Branchen, Berufen und Arbeitsprozessen sich Risiken konzentrieren, damit Maßnahmen gezielt auf die spezifischen Risiken je Branche und Gebiet ausgerichtet werden können. Regionalpräsident Eugenio Giani bezeichnete den Schutz der Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten als „die absolute Priorität“ für die Region und erklärte, die Vereinbarung ermögliche es, „mit chirurgischer Präzision zu erkennen, wo sich die Risiken verbergen.“ Ciro Danieli, Regionaldirektor von INAIL Toskana, bezeichnete dies als Fortsetzung einer Zusammenarbeit, die „auf gemeinsamer Verantwortung beruht“, und erklärte, beide Partner stärkten ihr gemeinsames Engagement durch die Entwicklung strukturierter Präventionsmaßnahmen.
Konkrete Maßnahmen je Branche
Das Protokoll übersetzt sich in praktische Schritte in mehreren Branchen. Im toskanischen Marmorabbau werden bestehende Sicherheitsrichtlinien in dauerhafte Schulungsinstrumente für Unternehmen umgewandelt. In den Häfen werden die Analysen der Hafentätigkeiten in Livorno zu einem Sicherheitsobservatorium für die gesamte toskanische Küste ausgebaut. Darüber hinaus bleibt der von INAIL patentierte Simulator für Schulungen in engen Räumen im Einsatz, und für den Gerberei-Bezirk Santa Croce sull’Arno wird Augmented Reality entwickelt, um mechanische Risiken zu verhindern. Der Schulungsansatz wird zudem auf die Bereiche Logistik, Transport und Landwirtschaft ausgeweitet.
Kontext
Die Toskana ist nicht die einzige italienische Region mit einem solchen Kooperationsprotokoll: Auch die Region Abruzzen in Italien hat eine ähnliche Vereinbarung mit INAIL geschlossen. Der Hintergrund bleibt drängend: Laut Eurostat-Zahlen ereigneten sich 2024 in der gesamten EU 3.367 tödliche Arbeitsunfälle, 1,4 Prozent mehr als 2023, wobei das Baugewerbe mit 776 Todesfällen (23 Prozent des Gesamtwerts) die gefährlichste Branche war. Italien verzeichnete in jenem Jahr 482 tödliche Arbeitsunfälle und lag mit einer standardisierten Quote von 2,01 pro 100.000 Beschäftigten auf Platz zehn innerhalb der EU, neben 262.818 nicht tödlichen Arbeitsunfällen.
Quelle: Sicurezza sul lavoro, accordo Regione Toscana-Inail per una prevenzione mirata, 25/09/2026
Zusätzlich recherchiert: EU workplace deaths rise; Italy ranks tenth with 482 in 2024

